Von Jon Swain

Unter welcher Belastung die amerikanischen Soldaten stehen, die im Golf an dem gewaltigen militärischen Aufmarsch beteiligt sind, war dem Sergeanten Jim Scovel vom Gesicht abzulesen. „Es ist heiß, verdammt heiß, wirklich heiß“, sagte er und wischte sich den Schweiß vom Gesicht, als er noch ein Flugzeug zum Abstellplatz auf dem riesigen Luftstützpunkt dirigierte.

Das Flugzeug, eine dickbauchige Maschine vom Typ C 5 Galaxy, wie es kürzlich in Westdeutschland abstürzte, kam neben einer dienstverpflichteten Boeing 747 der United Airlines zum Stehen, die gerade ein 400 Mann starkes Kontingent von Marinesoldaten von Hawaii herangeflogen hatte. Die Galaxy transportiert militärische Ausrüstung aus den Vereinigten Staaten.

Die Operation „Wüstenschild“ nimmt drei Wochen nach ihrem Beginn immer größeren Umfang an. Soldaten und Ausrüstung verstopfen den Luftstützpunkt. Nachts, wenn viel Material ausgeladen wird, rollen die amerikanischen Lastwagen über die dreispurige Autobahn nach Norden und zur Grenze nach Kuwait. In einem nahegelegenen Hafen, dessen Name nicht genannt werden darf, werden Hunderte von M-l-Panzern, 155-Millimeter-Haubitzen auf Selbstfahrlafetten und andere eiserne Monster der amerikanischen Kampfmaschinerie aus den Schiffen entladen. Amerikas größte militärische Übersee-Operation seit Vietnam – und die größte, die jemals im Zeitraum von drei Wochen stattfand – aufzubauen, verlangt von Männern wie Scovel in der Nachschubstaffel von „Wüstenschild“ enorme Anstrengungen.

Der Sergeant arbeitet täglich zwölf bis vierzehn Stunden und wickelt dabei vierzig bis sechzig Flüge ab – sieben Tage lang in der Woche Er schläft in einem Zelt dicht neben der Rollbahn. „Sobald mein Kopf den Boden berührt, schlafe ich ein“, sagt er. Jahrelang hat er für genau so einen Ernstfall geübt, aber nach drei Wochen in Saudi-Arabien ist er erschöpft von der Strapaze. Er will sich nicht über die Aussichten des Krieges äußern. Wenn er jemanden aus Großbritannien trifft, redet er lieber über seine Frau Elisabeth, die aus Lockerbie in Schottland stammt, über seinen Schäferhund in Florida und darüber, wie er damals, als er vier Jahre in der amerikanischen Luftbasis in Ostengland diente, am liebsten The Sun las.

Wie die meisten anderen Männer vom Boden- und Wartungspersonal auf dem Flughafen wäre Scovel lieber woanders. Bei den Jagdpiloten und den Kampftruppen hingegen sieht dies anders aus. „Die Moral ist hervorragend“, meint ein Offizier aus dem Marinecorps, der gerade aus Hawaii angekommen ist. „Wir haben wochenlang dort gesessen und auf die Chance gehofft, hierher zu kommen.“ Ein junger F-15-Pilot, der Einsätze in Reichweite der irakischen Luftabwehrraketen in der Nähe der kuwaitischen Grenze fliegt, vergleicht sich mit den Helden aus dem Film „Top Gun“.

Niemand unter den Amerikanern weiß, wie lange das Unternehmen dauern wird. „Das hängt davon ab, was der Bastard im Norden macht“, meint Scovel. Ein Angehöriger der 82. Luftlandedivision, der seine Flitterwochen unterbrechen mußte, sagt: „Es ist wie ein Schachspiel, bei dem die andere Seite ziehen muß.“ Ein Marineoffizier glaubt, sie blieben sechs Monate im Golf. Anderen sagte man, sie hätten mit einem Jahr zu rechnen.