Von Elisabeth Wehrmann

Der Zweite Weltkrieg war eigentlich der schönste“, sagt Joseph, „vor allem, nachdem wir ihn gewonnen hatten. Korea war ein Elend, Vietnam von vornherein eine Katastrophe, und wenn wir jetzt wegen Kuwait einen Krieg anfangen, stecken wir wieder in einem Konflikt, den wir nur verlieren können.“ Joseph ist als Landvermesser und Fachmann für Abhorchsysteme in drei Kriege gezogen. Jetzt lebt der 68jährige Pensionär in Lakewood, Kalifornien und trifft sich nachmittags mit seinen Freunden im Clubhaus der American Legion, des nationalen Veteranenvereins. „Wenn Sie von der Hauptstraße abbiegen, liegt unser Haus gleich links neben der Leichenhalle.“ Nachmittags stehen so um die dreißig ältere Männer und einige Frauen an der Theke, trinken Bier und Schnaps und reden über Gott und die Welt. Die Krise am Golf ist nicht gerade ein Thema, das hier Begeisterung auslösen könnte.

„Eine verfahrene Situation“, sagt Joseph, er rede lieber über ein Fußballspiel als über ein Problem, für das er keine Lösung kenne: „Da sitzen sie also in Saudi-Arabien, die amerikanischen Truppen, und was sollen sie da wohl machen? Einen Krieg anzetteln wegen ein paar Fässern Öl? Jede militärische Aktion hätte doch genau den Effekt, die Ölproduktion lahmzulegen.“ Seinetwegen könnten

die Iraker Kuwait ruhig behalten: „Historisch betrachtet ist es sowieso ein künstliches Gebilde, die Briten haben es in die Unabhängigkeit entlassen und einen ihrer Hottentotten eingesetzt.“

Josephs Freund Jim sieht das anders: „Die Iraker haben sich Kuwait widerrechtlich angeeignet, und da muß Amerika einschreiten. Wenn wir eine Weltmacht sein wollen, können wir diese Leute in Kuwait nicht im Stich lassen.“ Auch Jim wäre es am liebsten, wenn’s ohne Blutvergießen abginge. Aber wenn es denn notwendig wäre, erklärt er, müßte das Militär total zuschlagen. Auch die Geiseln müßten dann eben geopfert werden; man hätte ja schließlich die Hoffnung, daß ihr Tod dem Rest der Welt zugute käme. Und nachdem das Militär seine Aufgabe erledigt hätte, könnten dann die Politiker aus aller Welt mit der Neuordnung beginnen und alles wieder normalisieren. „Aber andererseits“, sagt Jim, nimmt einen Schluck Budweiser und denkt lange nach, „andererseits wäre ein schneller Krieg natürlich auch keine Antwort. Schießen kann jeder... und Schießen ist schließlich auch nur das Endresultat der Unfähigkeit zu kommunizieren.“

William treffe ich in einem Beratungszentrum für Vietnamveteranen. Er kommt ziemlich oft her, sitzt dann im Aufenthaltsraum und schaut sich alte Vietnamfilme auf Video an. William ist vierzig Jahre alt, Afroamerikaner, geboren in Detroit, Michigan. Ihm fehlen die Vorderzähne, auf dem Rücken zeigt er mir eine 25 Zentimeter lange Bajonettnarbe. Er war nur einige Monate lang in Vietnam. Aber diese eine Nacht, als sein Zug von den Vietcong umzingelt wurde, als „die Hölle losbrach“ und sein Freund neben ihm getötet wurde, läßt ihn nicht los. Wenn er davon erzählt, bricht er wieder in Tränen aus, wie damals, als er dachte, es sei alles seine Schuld.

William war im Sommer 1967, nach den blutigen Auseinandersetzungen um die Bürgerrechte in Detroit, eingezogen worden. In Vietnam, sagt er, habe es dann das Problem nicht mehr gegeben; schwarze und weiße Amerikaner hätten zusammen gekämpft. „Wir mußten wohl in den Krieg ziehen, um zu lernen, daß wir zusammengehören“, erklärt er.