Der gegenwärtige Schwebezustand im Golfkonflikt zehrt weltweit an den Nerven der Börsianer und demzufolge auch an den Aktienkursen. Daran ändern auch Erholungen nichts, die eintreten, wenn es Zeichen von Entspannungen gibt.

Positiv wird gewertet, daß sich Abwärtsbewegungen und gelegentliche technische Reaktionen an den deutschen Aktienmärkten bei nur geringen Umsätzen vollziehen. Panikreaktionen sind bisher ausgeblieben. Immer mehr Banken gehen dazu über, ihrer Kundschaft während ausgesprochener Schwächephasen den Erwerb stark gedrückter Standardwerte zu empfehlen. Dies sollte allerdings nicht mit der „letzten Mark“ geschehen. In der jetzigen Situation müssen Liquiditätspolster für den Fall erhalten bleiben, „daß es noch schlimmer kommt“. Und das wird nicht ausgeschlossen.

Nach den Halbjahresberichten von Daimler und dem Volkswagenwerk erweisen sich Autoaktien als besonders empfindlich. Beim Volkswagenwerk wird auf den stark geschrumpften Gewinn „vor Steuern“ im ersten Halbjahr 1990 verwiesen. Die Großchemie-Aktien zeigen sich auf der jetzt erreichten Basis als widerstandsfähig. Trotz der kleineren Gewinne in diesem Jahr wird es nach Meinung der meisten Börsianer bei den zuletzt gezahlten Dividenden von dreizehn Mark bleiben. Auf der gegenwärtigen Kursbasis würden sich dann Hoechst-Aktien (unter Berücksichtigung des Körperschaftsteuerguthabens) mit 8,6 Prozent rentieren.

Bei Bayer liegt die Rendite etwas niedriger. Der hier höhere Kurs geht nicht zuletzt auf Gerüchte zurück, wonach Bayer nach dem Beispiel des RWE plant, die einzelnen Unternehmenszweige zu verselbständigen, so daß die Aktiengesellschaft nur noch als Holding fungieren wird. Dem RWE-Kurs ist der Konzernumbau glänzend bekommen. Warum sollte es bei Bayer anders sein, fragen interessierte Börsianer.

An eine Zinssenkung ist vorerst nicht zu denken, auch wenn sich die finanzielle Situation in der Noch-DDR allmählich zu bessern scheint und die Beanspruchung des Kapitalmarktes für den Fonds Deutsche Einheit wahrscheinlich moderater geschehen kann, als zunächst befürchtet worden war. Gleichwohl hat die am Wochenbeginn vorgenommene Aufstockung der ersten Einheitsanleihe verstimmt und die Rentenkurse unter Druck gesetzt. Die Rendite für den aufgestockten Betrag ist mit 8,88 Prozent alles andere als marktgerecht.

K. W.