Geschichte kann zuweilen sehr ironisch sein, v ie die Umstände dei Veröffentlichung zeigen r dd im folgt den die Rede sein soll Es ha deL sich uju d berühmte Goldene Buch das die Sozialdemokratische Paitei Deutschlands ihrem Mitbegründer und langjährigen ParteiVuisitzenden Augast Bebel aus Anlaß des siebzigsten Geburtstages am 22 Februar 1920 schenkte und das jetzt im Münchner Säur Verlag als Nachdruck erschienen ist Ohne Wissen des Jubilars haae die bPD Spitze bei den Partei- und Gewerkschaftsuigiiiisationen des In- und Auslandes angeregt, die Glückwünsche einzeln auf Buttenpapier zu erfassen, so daß sie zu einem Album vereinigt werden können Heraus kam ein wahres Kleinod z Gsdiictue der Arbeiterbewegung mit msj ""

1 160 Glückwunschschreiben alle fein sauberliüi it der Hand geschrieben Die jeweils Ve tvtheher der Organisationen hauen die Lrluckwuiischschieiben auch persönlich "ri_eichn Du K leen sich wie ein Who u Mhvd dt tschn id iinatio nalen Arb_ erb , Hl ko arie die Glucksvunseru dt- v sJnecU -> Biufsyappen, ein wähl es BeratskJeidoskop des Deutschen Kaiserreiches oa de Backw bis E den Gastwirtsgehilfen, uu den Schmied bis den Zigairensortiereru - d de Zu Jsik, r Einige der Gluckwuii"_h jika i au - "Du abgefaßt, andexe scht~ r" u Jmes tr H id Mauüie der Blatter gtr AI K Svke nui allegorischer A spidu ige A den "j olitistheu Befreiungskarppt" &. Pioit" Vtr ahui var das Ganze mit eu:r> duiikeLdw Ledei einband, auf dessen ordeisau, die m goldeneu Leu.

August Bebel Auch die Kassette war mit Goldo, xentik eisehen, so daß schon wahrend d< tierlichke Ui Bebels Tochter Fneda und deren Son d tyit 01 Goldenen Beh" uf die lele prägten Ob dr i eh Woi le dei Glucisv u werden sollte "ig dahing elh Swi Der Verlauf de Geschiui bahie dieses Kleinod m deu Besu der DDR, deu i nach Bebels Tod am 13 Aagj t 113 hei das Buch an seine einzige lchtci Als dise 194b m Zwickau, Sachsen starb, ubeigabei es die Nachfahren ar> Wilhelm Pieck, der kuiz Zeit ipa er er Präsident der DDK wuid" Dei eht, ralige boialde rokrat Pieck h ic übrigens als Mitglied der Bremer Parteiorgans ior> suh cm Glückwunschschreiben unterzeichnet Der DDR Präsident wiederum schenkte das "Goldene Buch" 1952 dem Museum für Deutsche Geschichte aus Anlaß der Gründung Von dou wanderte es schließlich 1970 m den Besitz des Instituts für Maixisaias Lenimsmus beim Zentralkomitee der SED, das dann die Initiative zur He ausgäbe des Nachdruckes ergriff Es war klar daß die politisch Vei<oitwörtlichen der DDR d" Be&itz dii se Jubilaumsbandes für die politisch publizistische Arbeit nutzen wurden Schließlich hai dei etste Arbeitei- und Bauernstaat auf deutschem Boden von Anfang an das historische Erbe des wohl berühmtesten deutschen Arbeiterfuhs e s für sich in Anspruch genommen Hinzu kam, daß der - natürliche - Anspruch der SPD in der Bundesrepublik zurückgewiesen werden mußte Und die SPD hatte bereits 1988 aus Anlaß des 75 Todestages von Bebel Leben und Werk ihres Parteigrunders m einer groß angelegten Ausstellung dokumentiert Willy Brandt, der mit seinen 23 Jahren auf eine ahnlich lange Amtszeit als Vorsitzender der Partei zurückblicken kann wie August Bebel, der es auf 21 Jahre brachte, und dessen Ansehen in der internationalen Arbeiterbewegung durchaus gleichzusetzen ist mit dem seines berühmten Vorgangers, ließ es sich nicht nehmen, aus Anlaß dieser Ausstellungseroffnung über "Bebel und die Sozialdemokratie" zu sprechen Zu allem Überfluß erschien auch noch fast zum selben Zeitpunkt in der Bundesrepublik eine Bebel Biographie, deren Verfasserin, Brigitte Seebacher Brandt, die Frau von Willy Brandt war oicL Fairerweise muß rutn allerdings hinzufügen, daß Biographin und Politiker m ihrem L)r"eil nur bedingt ubereira n te Aus der Sicht der DDR war eine "Gegenoffensive" notwendig, und die Veröffentlichung d Goldenen Buches zum 150 Geburtstag vuu Augas r Bebel ui 22 Februar 1990 bot sich dalu 1 gfadezu m idealei Weise an Der Verlag tut k i c Muhe vrid Koster gc scheut, um du Nachdruck so u igmaigstieu w e möglich zu gesaltcr Freunde und Fachleute der Geschichte du Arbeeroeweguiig v erder tut ihie Kosten kommen, cLeiiso die Au jtaphenliebhaber Gewiß olleu iur diesem Werk auch die j künftigen Stasgaste der DDR errreut <verdei Und nun Als de Nach&ruck rr Fiuh ahr die s Jahres erschie, v e u seine Imtia o en e schwunden Dit Veröffentlichung stand gleichsam nackt und bloß dt De, Arbeiter- und Bauemstaat gibt es seit de "? Noembei 1989 "icht meh, die SED im e, ö"r>tLthe aum, auch nicht, und das Institut für Maxiai" Ja Ltn rnsmus war ambe nannt word° Institut für Geschichte der Ar beiterbewegu i u<- mehr als ungewissei Z kunft Na ja, und die Saagaste der DDR, sie wird es bald auch nicht eh gebe L Lind doch vait es jammerschade, wurde der Näehdiuck des Goldenen Buches m der Veisenkung veischwinden Es laßt eine Welt wiedererstehen, die uns trotz aller akademischer Studien verIcu anzugehen droht Hinzu kommt, daß diese Geschichte durch die marxistisch leninistischen Historiker verfälscht, erbogen and ernebelt worden ist Die Lektüre der Glückwunschschreiben zeigt es ganz deutlich Nicht theoretische Sozialismu&eikenntmsse a la Marx und Engels sind es gewesen, die die arbeitenden Menschen zum politischen Engagement veiafllaßiei E wa ganz einfach die Forderung nach geiSeruc" Lebensund Arbeitsverhaltnissen Die Arbeitei sollten nicht langet abhangig sein vOi de Gnade des Adels oder des Geldes, sie tordt , dis gesellschaftliche Gleichbeiechtiaj g ZohLeichcr dei n eilte" zu icjcn,, e len die Scharen dei Mahseh se and Bciadeie der Gcbtteiteii uaa Gc schuiideaen u den Sieg verheißende i Fahjcj des proletarischen Sozialismus"

Als August Bebel 1861 die politische Arena betrat, konnte von einer politisch organisierten Arbeiterbewegung keine Rede sein Rund fünfzig Jahre spater bei seinem Tode verfugte die Arbeiterschaft m Deutschland mit der SPD und den Freien Gewerkschaften über hervorragend funktiomeiende Massenorganisationen, die wegen der pieußisch deutschen Klassenverhaltnisse geradezu eiiie n Staat im Staate bildeten Darüber hinaus gab es mit der II Internationale eine Plattform, die eine Zusammenarbeit mit den Arbeiterparteien der anderen europaischen Lander ermöglichte Was immer m diesem halben Jahrhundert in der Arbeiterbewegung zu entscheiden gewesen war, Bebel war maßgeblich daran beteiligt Nicht umsonst sprach der Volksmund ehrfurchtsvoll vom "Arbeiterkaiser" Auch m den Gluckwunschschreiben kommt diese große Anerkennung, verbunden mit einer tiefen Dankbarkeit, zum Ausdruck "Worte sind zu ärmlich", heißt es beispielsweise bei den Steil Arbeitern, "um unseren Gefühlen am heutigen Tage Ausdruck zu verleihen "

Das Jahr 1910 sah die Arbeiterbewegung auf dein absoluten Höhepunkt Die Welt war noch m Ordnung Der Rüstungswettlauf der europaischen Großmächte, der im August 1914 zum Ersten Wekkueg fuhren sollte, hielt sich in Grenzen Lnd t ch im Inneien wurde die Einheit der Bee&u iig nicht in Frage gestellt - trotz aller StreiteSie i Das "Goldene Buch" gibt diese Atmosphäre wieder Insofern ist es weit mehr als ein Beitrag zur politischen Biographie des Jubilars "Die Ehi a g für Bebel", urteilt die Herausgeberm Ursula riei r"<iiin in ihrem Nachwort zu Recht, "galt icht nur seiner Person In ihr manifestierte sich ach der Stolz der Arbeiterbewegung auf ihre bisheiigeti Leistungen "

Vier Jahre spater, fast genau ein Jahr nach Bebels Tod, war der Traum aus Die brutale Volkerschlacht verdrängte die internationale Solidantat des Proletariats Ob August Bebel den Kriegseintritt der deutschen Arbeiterbewegung auf Seiten der Regierung hatte verhindern können Diese eher hypothetische Frage ist zwar immer wieder gestellt worden, doch darf man sie, nach allem, was wir heute wissen, mit Fug und Recht verneinen Er selbst hatte ja mitgeholfen, die SPD so zu schaffen, wie sie im August 1914 handelte Die Bruchstelle, an der die Arbeiterbewegung in Deutschland und Europa kaputtgehen sollte und letztlich auch ging, wurde bewußt oder unbewußt nur m einem Gluckwunschschreiben angesprochen Es stammte, wie nicht anders zu erwarten, von Lenin und den Mitgliedern des Zentralkomitees der Russischen Sozialdemokratie In diesem Gluckwunschschreiben wird die Erwartung ausgesprochen, daß "das sozialistische Proletariat im kommenden Entscheidungskampf imstande sein wird, den endgültigen Sieg zu erringen und ein für allemal das ganze Gebäude der kapitalistischen Ausbeutung zu zertrümmern"

Nachdruck der Ausgabe 1910, K G Säur Verlag, München 1989, 336 S, 398 - DM 398