Pleitegeier

Ein Rundschreiben der Rechtsanwaltskammer Freiburg vom 24. August teilt den „sehr geehrten Damen und Herren Kollegen“ folgendes mit: „Wir bitten alle diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die bereit sind, Konkursverfahren in der DDR durchzuführen, sich zu melden, damit wir der Treuhandanstalt in Berlin eine entsprechende Liste von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten zur Verfügung stellen können. Die Treuhandanstalt hat uns um Überlassung einer derartigen Liste gebeten, weil sich kurzfristig eine erhebliche Zahl von Konkursverfahren abzeichne, zu deren Durchführung dringend Konkursverwalter benötigt würden.“ Jetzt wollen wir uns bloß mal nicht zu früh freuen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mag ja sein, daß Konkursverwalter Gläubiger erster Klasse sind – weil ihnen als Vergütung genau festgelegte Prozentsätze der Konkursmasse zustehen. Doch aufgepaßt: Es handelt sich um eine Staffelvergütung, wie man freundlichst der entsprechenden Verordnung vom 25. Mai 1960 (Bundesgesetzbl. I S. 329) in der letzten Änderung vom 11. Juni 1976 entnehme. Staffel, jawohl: Je größer die Konkursmasse, desto weniger Anteil kriegt der Verwalter. Wer also das Pech hat, einen wirklich dicken Fisch zu erwischen, ein Kombinat zum Beispiel, ist arm dran: Da bleiben noch karge 0,5 Prozent. Müßte man etwa eine Milliarde Mark verwalten – inmitten einer Meute gieriger Gläubiger! –, blieben einem nur fünf Millionen. Diesen Staat aufräumen – was für ein Job! Da reißen wir uns wirklich nicht drum, oder?

Service gegessen

Fröhliche, unterbezahlte Hamburger-Girls, ade! Traurig wird uns zukünftig das Fast-Food-Personal anblicken, verhärmt, furchtdurchströmt, mit leise zitternder Nase – weil auch hier Kollege Computer einzieht. Aus der Business Week erfahren wir, daß im Schnellrestaurant von „Carl’s Jr.“ in Azusa, Kalifornien, niemand mehr die Bestellung aufnimmt. Der Gast tippt mittels Tastatur an der Theke selbst ein, was er haben will. Ist kein Getränk dabei, fragt der Computer: „Möchten Sie einen kühlen Sprudel oder einen Eistee?“ Das System soll wohl in allen 540 „Carl’s-Jr.“-Läden eingeführt werden; auch große Hamburger-Ketten, die hierzulande tätig sind, testen die neue Methode. Tja: Die Zeit, in der man die zerhackten Kühe selbst in die Sesamfladen wird einlegen müssen, ist wieder näher gerückt.