Bagdad und der Betonkönig

Ein Rührstück in kriegerischen Tagen erlebte jetzt in Frankreich seine Uraufführung. Szene sind Bagdad und Paris, handelnde Personen ein TV-Starmoderator, ein holdes Knäblein von anderthalb Jahren, ein französischer Betonkönig und in der Schurkenrolle natürlich Saddam Hussein. Als der Star des ersten Programms unlängst im Privatjet des Betonkönigs Francis Bouygues, zugleich Hauptaktionär des Senders, gen Bagdad zum Saddam-Interview düste, nahm er auf dem Rückweg, in einer Tasche versteckt, den Sohn eines französischen Kaufmanns mit. Zur glücklichen Landung und Befriedigung seiner Ruhmsucht bestellte der Star die Photographen. Der Auftritt war gelungen, das Interview weniger. Moderator und Sender wurden von Presse und Premierminister gescholten für ihre Liebesdienerei vor Saddam Hussein. Hinterm Rührstück verbarg sich Schmierentheater. Denn der clevere Bouygues baut in Bagdad und wußte mit dem doppelten Mediencoup selbst während des Embargos die guten Geschäfte zu pflegen.

Zu „postalischen“ Ehren ist die ZEIT in Schweden gekommen: Auf einer neuen Briefmarke wurden die „Köpfe“ namhafter Zeitungen abgedruckt. Ausgewählt wurden neben Daily Telegraph, El Pais, Le Monde, Daily Mirror, Osservatore Romano und anderen auch der Titel unseres Blattes.

Operation „Büsi“

Eine jämmerliche Figur macht der Schweizer Justiz- und Polizeiminister Arnold Koller im helvetischen Staatsschutz-Skandal. Er gab immer nur jene Verfehlungen seiner Schnüfflertruppe zu, die Abgeordnete und Journalisten ohnehin schon ermittelt hatten. Die Eidgenossen scheinen die peinlichen Enthüllungen allerdings längst vergessen zu haben. Denn Bundesrat Koller fliegen die Sympathien zu, seit bekannt wurde, daß die zwei Katzen seiner Familie, Chräbeli und Fritzli, ausgerissen sind. Wie würde die Popularitätskurve des Justiz- und Polizeiministers erst steigen, wenn seine Mannen nach den beiden Tieren fahndeten? Operation „Büsi“ (so heißen auf Schwyzerdütsch die Katzen) – da hätten die Gesinnungsschnüffler endlich mal eine sinnvolle Beschäftigung.