Von Norbert Grob

Zwei Männer auf dem Weg zu einer Bar. Der eine, groß und massig, ein Hüne fast, zwingt den anderen, einen Gast herauszulocken. Als der kurz darauf herauskommt, laut fluchend, und sieht, daß niemand da ist, weiß er: Er ist in die Falle gegangen.

Der Hüne, der im Dunklen auf ihn gewartet hat, schießt – sofort, ohne Warnung. Danach drückt er dem Toten eine 45er in die Hand, greift sich zwei Zeugen und weist sie auf die Waffe hin. Als andere Gäste dazukommen, zückt er seine Polizeimarke und ruft: "Immer mit der Ruhe!"

Mit diesem Mord eines Polizisten beginnt der neue Film von Sidney Lumet: "Tödliche Fragen". Um die Hintergründe und Folgen dieser Tat dreht sich fast alles in diesem Film.

Sofort danach geht das Reden los: War es Selbstverteidigung? Ein übertriebener Einsatz? Oder Fahrlässigkeit? Für den mächtigen Oberstaatsanwalt (Patrick O’Neal) liegt der Fall sonnenklar: Er sieht ihn als "klassisches Beispiel von entschuldbarer Tötung in Notwehr". Ein Stück Mist habe versucht, einen der besten Polizisten der Stadt zu erschießen. Doch der sei ihm zum Glück zuvorgekommen. Der Täter selber (Nick Nolte) stellt sich als Opfer dar. Er hält sich für den härtesten Bullen der Stadt. "Immer vorn an der Tür, am Fenster, an der Feuerleiter." Vor der Bar sei er beschimpft, provoziert und bedroht worden. Aus Furcht um sein Leben habe er zur Waffe gegriffen. Und Gott sei auf seiner Seite gewesen. Er habe den Mann voll erwischt.

Ein junger Staatsanwalt (Timothy Hutton) wird beauftragt, den Fall zu untersuchen. Zunächst hegt er keinerlei Zweifel an dem, was ihm zu Protokoll gegeben wird. Erst sein alter Chef weist ihn darauf hin, daß hinter Aussagen besondere Strategien stecken können: daß nicht nur Reden und Tun, sondern auch Reden und Meinen zweierlei ist. Was seinen Untersuchungen eine neue Wendung gibt. Er beginnt, auch die Interessen hinter den Reden zu beachten.

Im Original heißt Lumets Film "Q & A", was für "Questions and Answers" steht, für Fragen und Antworten. Lumet selber sagt, Q & A stehe auch für das Frageschema, das ein Staatsanwalt (nach amerikanischem Recht) vorbereiten muß, um einen Fall vor Gericht zu bringen. Zugleich sei es ein alter Ausdruck von der Straße, daß, wenn man falsche Fragen stelle, die Antworten einen umbrächten.