Also bestand er hartnäckig auf seinem Entwurf. In dem 33 Meter langen U-Bahn-Schacht sollte auf der einen Seite der Kopf des ehemaligen Reichsaußenministers Walther Rathenau zu sehen sein, auf der anderen Seite Theodor Herzl: Assimilation, Aufgabe jüdischer Kultur versus Auswanderung, Bewahrung jüdischer Identität. Hiltner konnte den Stadtrat überzeugen, und auch der Oberbürgermeister gab schließlich seinen christlichen Segen.

Nun stellten sich Hiltner technische Probleme: Er mußte der Firma, die die Keramiken herstellen sollte, ein exaktes Computerbild der beiden Porträts liefern. Immerhin galt es, für eine Fläche von 2500 Quadratmetern rund eine Million Mosaikfliesen herzustellen, in den Farben Weiß und Blau, Braun, Schwarz und Ocker, im Format von fünf mal fünf Zentimeter, jede Fliese numeriert. Eine Münchner Reprofirma lieferte ihm die Porträts als Vierfarb-Offset-Druck.

Hiltner hat sich bei der Darstellung der Porträts eines alten Tricks aus der Renaissance bedient, der Anamorphose. Fährt man mit der U-Bahn ein, sieht man im flachen Winkel die Köpfe ganz exakt. Steht der Betrachter davor, zerfließen die Köpfe in ein abstraktes Mosaik. „Denken heißt vergleichen“, steht da zu lesen – ein Zitat von Rathenau. Der Fliesenlegermeister Max Adolf Faltermeier, der auf das Projekt mindestens ebenso stolz ist wie der Künstler, vergleicht beim Betrachten seines Werkes allerdings Idee und Realität des Zionismus. „Was die Juden heute mit den Palästinensern machen, ist nicht korrekt. Aber vielleicht ist dem Herzl die Idee davongelaufen, so wie sie heute einem Marx und Lenin davonläuft.“