Wer die Macht des Geldes bezwingen, wer sich seiner Tyrannei entziehen will, für den gebe es nur einen Weg, schreibt der portugiesische Erzähler Fernando Pessoa: Er muß Bankier werden. Doch den Traum von der eigenen Bank kann sich kaum noch jemand erfüllen, selbst wenn er über die nötigen Millionen verfügt. Große Geldkonzerne beherrschen die Finanzszene, lassen keinen Platz für Einzelkämpfer. Von 1300 deutschen Privatbankhäusern vor dem Ersten Weltkrieg sind heute nur noch etwas mehr als achtzig übrig. Und längst nicht alle sind "echte" Privatbanken, in denen der Besitzer mit seinem persönlichen Vermögen geradesteht.

In der vergangenen Woche hat wieder einer der wenigen noch verbliebenen Privatbankiers alter Schule das Handtuch geworfen. Obwohl die Geschäfte gut laufen, sah August von Finck keinen anderen Ausweg, als das von seinem Großvater aufgebaute Münchner Bankhaus Merck, Finck & Co. an die englische Großbank Barclays abzugeben. Dem immer schwieriger und internationaler werdenden Bankgeschäft sei eine Privatbank alleine nicht gewachsen, hieß es.

Die Privatbankiers sterben aus, nicht aber das Privat-Banking. Deutschlands Millionäre müssen auch künftig nicht auf individuelle Betreuung im Séparée verzichten. Für gutbetuchte Kunden, die sich nicht wie Otto Normalsparer am Schalter abfertigen lassen mögen, wird Merck, Finck & Co. unter dem alten Namen ebenso weitergeführt wie viele andere traditionsreiche Privatbanken – als Tochter einer ganz gewöhnlichen Großbank. per