Wirtschaftsminister Helmut Haussmann hatte Grund, sich über das Amtsdeutsch seines Hauses zu mokieren. Auf seinem Schreibtisch landete eine entsprechend verschlüsselte Vorlage, die sich mit dem "Ersatz für den Ausbildungsberuf "Verkäufer / Verkäuferin’" beschäftigte.

Der zuständige Referent berichtete dem Minister, daß "der Beruf "Verkäufer / Verkäuferin’ aufgrund einer Absprache der Sozialpartner zukünftig entfallen" solle. Man habe sich auf einen "Ersatzberuf" verständigt, sein Schwergewicht werde "im Umgang mit Waren und in der Handhabung von Warenwirtschaftssystemen liegen". Damit sei auch eine Abgrenzung gegenüber dem Beruf "Kauffrau / Kaufmann im Einzelhandel" erreicht, bei dem der Hauptakzent auf der Kundenberatung liege.

Schwierigkeiten hatten die Tarifpartner jedoch, einen Namen für den gestrichenen alten und den neuen Beruf zu finden. Die Gewerkschaften bestanden auf "Kauffrau / Kaufmann für Warenwirtschaft", um damit "die Gleichwertigkeit zum "Kaufmann im Einzelhandel’ herauszustellen".

Die Arbeitgeber wiederum suchten gerade das zu vermeiden; sie favorisierten wahlweise "Warenwirtschaftler/in", "Fachkraft für Warenwirtschaft" oder "Fachmann / -frau für Warenwirtschaft". Da dieser Gegensatz die Beratungen der Tarifpartner blockierte, schlug der Haussmann-Referent "eine Entscheidung durch uns als Verordnungsgeber" vor. Seinem Minister schrieb er: "Nach Abwägung der Argumente beider Seiten habe ich die Absicht, die Berufsbezeichnung .Warenwirtschaftskaufmann / -frau’ vorzuschlagen. Dies würde auch der Bildungsminister als Einvernehmensminister mittragen. Ich bitte um Ihre Zustimmung zu diesem Vorgehen."

Kopfschüttelnd gab Haussmann sein Ja zu diesem Vorgang. An den Rand der Vorlage notierte der Minister die bissige Frage: "Stellen wir nun den Verkauf im Handel völlig ein?"

Erhebliche Erleichterung macht sich in der oberen Etage knapp unter der Vorstandsebene der Bundesbahn breit. Denn bei der Kandidatensuche für die Nachfolge von Reiner Gohlke, der den Vorstandsvorsitz bei der Bahn zugunsten der Ostberliner Treuhandstelle aufgegeben hatte (wo er allerdings bald wieder das Handtuch warf), scheint es neue Perspektiven zu geben. Die meisten leitenden Bundesbahnen waren nach GoHkes Weggang besorgt gewesen über eine offenbar "politische" Besetzung des obersten Bahnsessels.

Im Gespräch war der Eisenbahnleiter im Verkehrsministerium, Peter Reinhardt, ein unionsnaher Bonner Bilderbuchbürokrat. Mit Reinhardt werde der Bock zum Gärtner gemacht, befürchtet man in Bahnkreisen: Dem Eisenbahner wird so manche faule Bundesbahnentscheidung angelastet, für die dann Gohlke veranwortlich gemacht wurde.