Ende des Bürgerkrieges in Sicht", "Hoffnungsschimmer über dem Schlachthaus", "Monrovia – vom Tyrannen befreit". So lauteten die Schlagzeilen noch vor Wochenfrist. Samuel Doe, der despotische Präsident, lag tot auf der Wallstatt, eine Feuerpause war vereinbart, der Weg zu Verhandlungen schien frei. Alle Hoffnungen trogen, denn der Bürgerkrieg in Liberia ist wiederaufgeflammt.

Die Interventionstruppe – von der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas entsandt, um mit Waffengewalt Frieden zu stiften – hatte die Rechnung ohne die unversöhnlichen Gegner gemacht: Die übriggebliebenen Soldaten Does bliesen getreulich der Nibelungen-Devise "Es wird gekämpft bis zum letzten Mann" zur Entscheidungsschlacht gegen die Rebellen unter Prince Johnson. Dessen Guerilleros lieferten sich wiederum Gefechte mit den rivalisierenden Freischärlern der National Patriotic Front of Liberia (NPFL). Und deren Führer Charles Taylor hat den Resten der Regierungstruppen bereits angeboten, gemeinsam gegen die Ecomog (unter diesem Kürzel firmiert die Eingreif-Armee) zu marschieren.

Der Grund für dieses blutige Tohuwabohu: Alle wollen an die Macht. Also hat sich jeder der Kombattanten vorsorglich zum Übergangspräsidenten erklärt: Taylor, Johnson, David Nimley, vordem Chef der Leibgarde Does, und ein gewisser Amos Sawyer, Führer einer ebenfalls selbsternannten Interimsregierung. Ihn will angeblich die Ecowas-Gruppe auf den Thron hieven – gegen die Erzfeinde Taylor und Johnson. Aus diesem Grunde war Taylor nicht nach Freetown (Sierra Leone) gefahren, wo diese Allianz die Kontrahenten an einem Tisch versammeln wollte.

Nicht alle sechzehn Mitglieder der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ziehen allerdings an einem Strang: Togo hatte seine Kontingente für die Interventionstruppe zurückgezogen. Burkina Faso belieferte die Rebellen sogar mit Waffen. Der Plan, einen afrikanischen Konflikt durch afrikanische Vermittler zu lösen, droht jämmerlich zu scheitern.

Derweil hungern die Menschen in Liberia, vor allem in der umkämpften Hauptstadt Monrovia, aber auch in der ländlichen Region, weil seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Dezember die Felder nicht mehr bestellt wurden.

Auf der Suche nach Brot und Frieden verlassen Zehntausende das Land. Vorigen Sonntag trafen wieder 7000 Flüchtlinge auf einem Frachter in der nigerianischen Hauptstadt Lagos ein. Ihnen ist es einerlei, wer den Machtpoker in ihrer Heimat gewinnt – alle spielen mit gezinkten Karten. -ill