Nola Darling wollte es wissen und zündete hundert Kerzen an, rund um ihr Bett. In "She’s gotta have it" war die Liebe ein Fest, und Regisseur Spike Lee hüpfte auf Nolas Matratze herum wie Rumpelstilzchen.

In "Do the right thing‘ liebkoste Spike Lee als Pizzabote die Mutter seines Kindes mit Eis – genau das richtige im heißen New Yorker Sommer. Körperteil für Körperteil kam in Großaufnahme unter den Eiswürfel, und Lee dankte dem lieben Gott für die linke Brustwarze und für die rechte.

In Spike Lees neuem Film "Mo’ better blues" kopulieren zwei schöne junge Schwarze, die makellose Hochglanzhaut wie Ebenholz, während die Kamera sie umkreist, als wäre es eine Reportage aus der Peep-Show. Lee, bei dem es vorher nie eine Bettszene gab, hat mit "Mo’ better blues" ein ganz neues photographisches Genre erfunden: das Ebony centerfold.

"Do the right thing" war ein Film über Alltag und Politik, eine sehr liebevoll gezeichnete Milieustudie, der Wirklichkeit erfrischend kunstlos abgefilmt. Mehr ein Roman als ein Film: ein wenig "Tortilla Fiat", ein wenig "Früchte des Zorns". In einer Straße in Brooklyn deuten sich (leise erst) Rassenkonflikte an, eigentlich nicht ganz ernst zu nehmen als dem Mund so herziger Figuren – und im Ende gibt es Mord und Totschlag. Unschuldig und liebenswert erwacht der Mensch und würde es gern bleiben, aber am Abend wird er dem Menschen ein Wolf. Zitate von Martin Luther King und Malcolm X beendeten den Film. Lee zog für David Dinkins in den Wahlkampf (den schwarzen Bürgermeister-Kandidaten, der Ed Koch in New York ablöste), und sein nächster Film, so war zu hören, sollte das Leben von Malcolm X erzählen Ein Absturz – von den Spielen der Lieb: zur Politik der Gewalt?

Die Nachricht, Spike Lees neuer Film handele von einem Jazz-Trompeter (und von der Liebe wohl auch), erlöste uns von unseren Sorgen. Morgen, freuten wir uns, kommt wieder der komische kleine Schwarze, und es wird wieder lustig. Spike Lee – der Weihnachtsmann unserer Kinoträume.

Dann kam Denzel Washington; er spielt den ehrgeizigen, erfolgreichen und immer schnieke gekleideten Jazztrompeter Bleek Gilliam in "Mo’ better blues". Er ist langweilig und schön. Als Kind erlaubt ihm seine Mutter erst, Baseball zu spielen, wenn er lange genug Trompete geübt hat. Später hat er eine eigene Band und zu viele Frauen auf einmal. Als jemand ihm mit seiner Trompete die Visage zerschlägt, heiratet er. Sein Sohn muß zwar auch Trompete üben, aber er darf Baseball spielen gehen, wann immer er will: Bleek Gilliam hat wirklich viel gelernt! Und Spike Lee ist ein Regisseur der ganz, ganz kleinen Schritte geworden. Ein Biograph gutsituierter schwarzer Kleinbürger, die sich in der verruchten Welt der Jazzclubs die Hörner abstellen.

Ebony ist ein amerikanisches Lifestyle-Magazin für Schwarze. Es will der unterdrückten schwarzen Minderheit zu Selbstbewußtsein verhelfen und zeigt zu diesem Zweck Photos schöner, junger und gutgekleideter schwarzer Menschen. Eigentlich, lautet die Message, sind wir Schwarzen gar nicht so anders – eigentlich sind wir die besseren Schwarzen! Nach diesem Prinzip verfährt auch Spike Lee in "Mo’ better blues" und liefert seinem schwarzen Publikum jene verlogenen Kinohelden, um die er die Weißen so grundlos beneidet.