in klares Wort in eigener Sache: Diese Kolumne ist in der Krise. Sie, sehr geschätzter Leser, werden es schon bemerkt haben – waren aber bisher zu nobel, ihrem wachsenden Mißbehagen in einem Brief an die Chefredaktion Ausdruck zu verleihen.

Gewiß, als diese Kolumne begründet wurde, brachte sie kurzfristig einen frischen, herben Luftzug ins sonst meist windstille Feuilleton. Hier, an dieser Stelle, wurde endlich kurz (statt uferlos breit), grob (statt einschläfernd feinsinnig) und gedankenarm (statt abtötend tiefsinnig) geschrieben.

Aber jetzt. Jetzt ist die Krise da. Dem anonymen Autorenkollektiv, das bisher am Profil der Kolumne geschnitzt hat, versiegen die Einfälle, vertrocknet der Witz ... Gewiß, es wurden an dieser Stelle immer auch Fragen von überregionalem, ja nationalem Gewicht aufgerührt (FAZ-Feuilleton, Tennis, Liebe und Liebesleid, Haarausfall, Voscherau u.v.a.) –, aber zum Thema Deutschland beziehungsweise Gesamtdeutschland blieb "Das Letzte" auf schon bedrückende Weise stumm.

Kurzum: Remedur tut not. Auch diese Kolumne darf sich nach dem 3. Oktober 1990 nicht mehr in puerilen Späßen um sich selber drehen, auch diese Kolumne braucht endlich Haltung, Richtung, Führung. Mit einem Wort: "Das Letzte" sucht einen Herausgeber. Nur ein Herausgeber kann unserem begabten, aber charakterlich labilen Autorenteam neue Maßstäbe setzen, oder sagen wir es mit Humor: ihm endlich die Sporen geben.

Journalistische Vorkenntnisse braucht unser künftiger Herausgeber nicht – aber er (sie?) sollte auch der breiteren Leserschaft bekannt sein, eine gestandene Persönlichkeit aus Politik, Wirtschaft oder Fernsehen. Anonym geschrieben, prominent geführt: Mit dieser Formel könnte für "Das Letzte" eine neue, bessere Ära beginnen.

Natürlich hat es der Leser als journalistischer Laie schwer, den Begriff "Herausgeber" richtig einzuordnen. Er stellt sich eine Zeitung womöglich noch immer als ein duales System vor: hier die Redaktion (aufmüpfig, faul, chaotisch), dort der Chefredakteur (entscheidungsfreudig, kompetent, sachbezogen). Diese einstmals simple Schlachtordnung ist längst obsolet.

Ist der Herausgeber der mächtigste Mann der Zeitung oder der ohnmächtigste, ist er (bildlich gesprochen) Kohl oder Weizsäcker oder doch nur Rudolf Seiters? Arbeitet er am meisten, oder läßt er meistens andere arbeiten?