Auf unseren Finanzminister dürfen wir stolz sein. Er hat nämlich gerade einen für unmöglich gehaltenen Rekord aufgestellt: Mit 1047 Milliarden Mark Staatsschulden wurde die Billionen-Alptraumgrenze erstmals überschritten!

Wer wie ich in Waigel schon lange einen Hoffnungsträger sah, den hat diese Höchstleistung keineswegs überrascht. Im Vergleich zu ihm erschienen mir seine berüchtigten Vorgänger – von Schäffer ("Juliusturm") über Strauß und Stoltenberg – nur als abgefeimte Strauchdiebe, die bloß ein Ziel kannten: uns armen Steuerzahlern die letzten Groschen aus der Tasche zu ziehen. Waigel jedoch ist aus ganz anderem Holz geschnitzt und darum für mich der ideale Finanzminister. Also kein knickeriger Knauser, kein Pfennig-, ja, nicht mal ein Milliardenfuchser. Die Devise dieses so untypischen Schwaben lautet nun mal: leben und leben lassen. Das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauszuwerfen, bereitet ihm Lustgefühle. Das liegt nun einmal in seiner Natur. Schon der kleine Theo verschenkte alles, was ihm unter die Finger kam. Zeit seines Lebens begleitete ihn der Ruf, ein Verschwender zu sein. "Heut’ hat der Theo wieder die Spendierhosen an", sagten die Leute in seinem Heimatort Oberrohr. Das ließ er sich gerne nachsagen, machte es ihn doch landauf, landab beliebt.

Seine große Stunde schlug aber erst als Finanzminister, als er endlich aus dem vollen schöpfen konnte. Zur Tarnung hielt er sich zwar zunächst noch zurück und die Nettokreditaufnahme in Grenzen. Dann aber, als die Weltpolitik anfing, Kobolz zu schießen und der Geldbedarf entsprechend ins Kraut, kam im Finanzminister der lange schlummernde Bruder Leichtfuß zum Vorschein, "klotzen, nicht kleckern", hieß es fortan in seinem Ministerium. Und vor allem jener hatte dort eine Chance, Geld nachgeworfen zu bekommen, der sich nicht mit lumpigen Millionen begnügte, sondern, wennschon – dennschon, Milliarden forderte.

Da hatte Waigel für jeden eine offene Hand, ob es Baker war, Gorbi, die DDR-Kommunen oder der Airbus. Er kann ja nun mal nicht nein sagen, unser guter Theo, das ist seine liebenswerte Schwäche. Wenn sich aber sein Gewissen rührt, beschwichtigt er es mit der Einsicht: Weltmacht sein heißt auch Geldmacht sein.

Und wer soll das alles bezahlen? Bei dieser Frage schlüpft unser Theo sofort in die Rolle des gütigen, weisen Hausvaters, der seinem Patienten – ganz anders als der saarländische Dr. Eisenbart – die grausame Wahrheit über seinen Zustand bis zum letzten Moment, also dem 2. Dezember, ersparen will, getreu dem Rezept: erst die Wahlen, dann die Zahlen, dann die Qualen!