Saddam Hussein hat in zwei Monaten vollbracht, wozu die Opec-Länder bei der letzten Ölkrise noch drei Jahre brauchten – die Verdoppelung des Ölpreises nämlich. Schraubten die Förderländer zwischen 1979 und 1981 ihre Forderungen stufenweise herauf, so haben sie jetzt die Preishoheit den Erdölbörsen überlassen. Dort treibt die Hysterie den Preis des schwarzen Goldes auf eine Höhe, von der selbst der Opec-Falke Saddam Hussein nicht zu träumen wagte.

Der Iraker wollte 25 Dollar für das Faß von 159 Litern durchsetzen, bei 40 Dollar steht der Pegel jetzt. Aber: Der Gewaltherrscher kann davon nicht profitieren, weil irakisches Öl weltweit boykottiert wird.

Eine einleuchtende Erklärung für das Emporschnellen der Ölpreise findet sich freilich nicht. Denn der wichtigste Rohstoff dieser Erde wird in ausreichender Menge angeboten. Fördersteigerungen in anderen Ländern haben den Ausfall der Lieferungen aus dem Irak und aus Kuwait nahezu wettgemacht. Außerdem haben die Industriestaaten aus der Krise von 1973 ihre Lehre gezogen und strategische Reserven angelegt, mit denen jede denkbare Lücke für lange Zeit geschlossen werden kann.

Die in der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zusammengeschlossenen 21 Staaten sind verpflichtet, den Bedarf für ein Vierteljahr "einzukellern". Diese Pflichtbevorratung wird in nahezu allen IEA-Ländern überschritten. In der Bundesrepublik ist für diese Aufgabe seit 1978 der Erdölbevorratungsverband (EBV) zuständig, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, der die Raffineure und Importeure zwangsweise angehören. Mit ihren Beiträgen, die den Preis der Mineralölerzeugnisse mit weniger als einem Pfennig je Liter belasten, finanzieren sie den EBV.

Erst vor zwei Jahren wurden die Pflichtvorräte durch eine Novellierung des Erdölbevorratungsgesetzes erhöht – sie müssen seitdem den Bedarf für 80 Tage decken; zuvor waren es lediglich 65 Tage. Überdies sind die Raffineriegesellschaften verpflichtet, den Bedarf für 15 Tage auf Lager zu haben, und darüber hinaus leisten sich die Deutschen noch eine Bundesrohölreserve von etwas mehr als sieben Millionen Tonnen. Insgesamt lagert hierzulande Öl für gut 140 Tage – ein komfortables Polster also.

Deshalb stellt sich die Frage, ob ein Teil dieser Bestände nicht vermarktet werden sollte, um dadurch den Preistreibern ein Schnippchen zu schlagen. Das ist freilich leichter gedacht als getan, denn die IEA-Staaten haben sich darauf verständigt, nur gemeinsam zu handeln. Erst Ende vergangener Woche hat der Verwaltungsrat der Energie-Agentur entschieden, daß die Zeit für einen Rückgriff auf die Reserven noch nicht gekommen ist.

Um die Vorräte zu verkaufen, bedarf es einer echten Mangellage – der Einsatz der Vorräte zur Preisregulierung ist nicht vorgesehen. Überdies ist der EBV ohnehin verpflichtet, seine Bestände zu Marktpreisen anzubieten. Allenfalls könnte also durch ein zusätzliches Angebot etwas Druck auf die Preise ausgeübt werden.