Von Gunter Hofmann

Hamburg/Nürnberg/Berlin, im Oktober

I.

Helmut, Helmuut!" Aus der Tiefe des Raumes kommt der Ruf der Anhängerschaft, als befände man sich in der Südkurve des Fußballstadions von Müngersdorf und nicht in Hamburgs Congress Centrum beim Vereinigungs-Parteitag der Union. Der Jubel galt Kanzler Kohl bei jedem seiner Auftritte, er hatte viele davon.

Die CDU, die sich in letzter Sekunde und auch als letzte der alten Parteien wiedervereinigte, bevor sich Deutschland in den 3. Oktober stürzte, diese CDU ist ganz Helmut Kohls Partei geworden. Sie leidet nicht darunter, er nimmt es als selbstverständlich hin.

Nicht einmal von Lothar de Maizière, dem Ex-Regierungschef aus Ost-Berlin, mit 97 Prozent zum einzigen Stellvertreter des Parteivorsitzenden Kohl gewählt, wird man in Zukunft noch sonderlich viel merken. Zum Abschied hat er zwar noch einmal einen Rest von Selbstbewußtsein gezeigt – oder hat er es doch nur formuliert?

Jedenfalls erinnerte de Maizière an den "ethischen Anspruch des C", des Christlichen im Parteinamen. Er verteidigte die Mitarbeit der CDU-Ost an der Seite der SED, weil das die einzige Alternative zur SED oder zur Resignation gewesen sei. Und er nannte einigermaßen stolz die Sechs-Monate-Bilanz seiner Regierung "eine beachtliche Leistung für eine Laienspielschar".