Von Jürgen Dahl

Isabel, die Knochenkundige, hatte mir genau gezeigt, wie ich – der Bandscheiben wegen – sitzen und liegen und jäten soll. Alles wirklich Bequeme ist jetzt verboten und das Kauern im Garten zudem als kreislaufschädigend entlarvt. Weise wäre es, alsbald Gehölze zu pflanzen und Hochbeete anzulegen, dann braucht man sich in ein paar Jahren nicht mehr zu bücken. Langsam bröckelt der Gärtner.

Isabel wollte keine Honorar, aber sie wünschte sich ein Kräuterbeet für ihren neuen Garten.

Wir Gärtner haben es gut: Das ganze Jahr über beschenkt uns der Garten mit Dingen, die wir weiterschenken können. Blumensträuße und Früchte, Hustentee und Topfblumen, Gewürzsträuße und Süßholzwurzeln, bizarres Trockenzeug und duftende Winterblüten, Rosensirup und Kräuteröle und noch viel mehr können wir erschaffen. Das erspart uns den Kauf von Geschenken und Mitbringseln, und was wir dann schenken und mitbringen, das enthält ein Stückchen von uns selbst, von der Zuneigung und Freude, mit der wir bei der Vorbereitung daran gedacht haben, daß dies irgendwann irgend jemandem Vergnügen bereiten wird.

Isabel bekam also einen Kräutergarten, ein Dutzend kleiner Töpfe mit den wichtigsten Würzpflanzen, natürlich mit Namensschildchen versehen. Solche Jungpflanzen stehen bei uns immer bereit, auch den Winter über, denn das Auspflanzen aus Töpfen ist zu jeder Jahreszeit ganz ohne Probleme.

Oregano war in dem Kräuterkasten, Schnittlauch, Salbei, zwei verschiedene Minzen, Zitronenmelisse, Pimpinelle, Sauerampfer, auch der Wermut, den man zwar in der Küche, wenn überhaupt, nur ganz sparsam vewenden darf (zum Gänsebraten), der aber zu einem schönen großen Strauch heranwächst; seine getrockneten Zweige sollen im Haus Insekten vertreiben – Grund genug, ihn im Kräutergarten zu ziehen. Isabel jedenfalls war es zufrieden.

Auch die Winterheckzwiebel war vertreten, eine viel zu wenig geachtete Pflanze. Sie liefert uns in der kalten Jahreszeit frischen Schnittlauch und erspart uns damit die Mühe, Schnittlauchballen ins Haus zu holen, um sie in Töpfen am Fenster austreiben zu lassen. Unverdrossen und fast unabhängig von der Temperatur, läßt die Winterheckzwiebel immer neue Schlotten wachsen, die zwar derber als die des Schnittlauchs sind, aber ebenso gut schmecken. Von den Wochen des ärgsten Frostes abgesehen, können wir sie bedenkenlos und immer wieder ernten.