Alle Soldaten sterben" - unverständlich, warum der Verlag diesen Titel für die deutsche Ausgabe von Richard Wileys Roman gewählt hat, ist doch der englische Titel, "Soldiers in Hiding", leicht zu übersetzen und dem Inhalt angemessen.

Teddy Maki moderiert in Tokio eine erfolgreiche, weil abgrundtief geschmacklose Fernsehshow; niemand weiß, daß der Showmaster im Krieg auf Befehl des Majors Nakamura einen wehrlosen amerikanischen Kriegsgefangenen erschossen hat, daß sein bester Freund Jimmy den Befehl verweigert und dafür mit dem Leben bezahlt hat - niemand außer Nakamura, der zurückgezogen als Apotheker lebt. Ein dritter "Soldat im Versteck" ist Ike, der totgeglaubte Kriegskamerad von Teddy und Jimmy, der nach Jahrzehnten aus dem philippinischen Dschungel auftaucht. Als Maki und Nakamura beim Empfang für den Heimkehrer auf dem Flughafen von Tokio zusammentreffen, öffnen sich für Maki die Schleusen der Erinnerung und der Reue; er begreift, daß er aus seinem Versteck herauskommen und den Major öffentlich zur Rede stellen muß, wenn er selbst fortan in der Wahrheit leben will.

Schuld und Sühne - Vergangenheitsbewältigung auf japanisch? Ja, aber nicht nur, vielleicht nicht in erster Linie: Um die Schwierigkeit der Identitätsfindung zwischen den Stühlen geht es; darum, wie ein Mensch immer neue Personae, Lackschichten, Masken annehmen kann: Maki ist in Kalifornien geboren, fühlt sich trotz seiner japanischen Eltern als Amerikaner; ja, er ist nur deshalb mit Jimmy bei Kriegsausbruch in Japan, weil beide als Musiker den Japanern die amerikanische Kultur in Gestalt des Jazz näherbringen wollen.

Um nicht als amerikanische Spione dazustehen, werden die Musiker Soldaten, der biegsamere Maki sogar Nakamuras Adjutant. Nach dem Krieg verliert Maki deshalb seine amerikanische Staatsbürgerschaft, doch ganz Japaner kann er auch nicht werden: Seine Show ist eine Art skurriler Rache an seiner ungeliebten neuen Heimat. Gleichzeitig empfindet er eine perverse Freude dabei, amerikanische Touristen in die Irre zu führen. Ike, der Verschollene, hat sich jahrelang als Filipino ausgegeben - nicht einmal seine Frau ahnt, daß sie einen Japaner, einen Feind, geheiratet hat, und "als er endlich zu Hause ist, kann er die Maske nicht ablegen".

Nakamura war vor dem Krieg Grundschulrek:or, danach Apotheker - kann er seine MörderIdentität ablegen wie die Nö Masken, die er samnelt? Der Erstlingsroman des 45 Jahre alten Ame ikaners Richard Wiley hat Schwächen: Der Hölepunkt der Handlung - als Maki Nakamura in seiner Show zur Rede stellt - wirkt wie die Nacherzählung einer allzu melodramatisch konzipierten Filmszene; und der melancholische Ich Erzähler Teddy Maki bleibt zu blaß, um unser Interesse oder gar Mitgefühl zu erregen.

Doch die mehrfachen Brechungen, die sich daraus ergeben, daß ein Amerikaner in der ersten Person als Japaner schreibt, der seinerseits ein Wanderer zwischen den Welten ist - der Blick zugleich von innen und außen auf dieses ganz fremde Land Japan , lassen manche erzählerische Schwäche und die gelegentlich etwas dröge Sprache vergessen. Alan Posener Richard Wiley:

Alle Soldaten sterben Roman; aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz; Steidl Verlag, Göttingen 1990; 198 S , 28 - DM