Moderne Computertechnik hat ihre Tücken, wie auch die Manager der Deutschen Terminbörse (DTB) erfahren mußten. Als sie vor einigen Wochen in einer Art Trockenübung mit dem – zunächst fiktiven – Handel mit Terminkontrakten beginnen wollten, spielte die Technik nicht mit. Die zwei Wochen zuvor noch als bewährte Software gepriesenen Programme der Schweizer Terminbörse Soffex mußten erst einmal gründlich überholt werden. Damit verzögert sich die Einführung der insbesondere von ausländischen Anlegern bereits heißersehnten Terminkontrakte, die den Finanzplatz Deutschland ein Stückchen weiter aus seinem Nebenplatzdasein führen sollen. Der geplante Starttermin wurde vom 10. September vorerst auf Ende Oktober verschoben.

Damit bleibt den Anlageberatern von Banken und Sparkassen sowie den Finanzmanagern der Versicherungsgesellschaften Zeit, sich auf die neuen Möglichkeiten der DTB vorzubereiten. Denn leicht verständlich sind die neuen Financial Futures nicht. Und anfangs werden sich wohl nur wenige private Anleger und schon gar nicht Kleinanleger mit den neuen Angeboten befassen. Sicher ist heute jedoch schon, daß zunächst zwei verschiedene Futures-Kontrakte eingeführt werden. Der sogenannte Dax-Future ermöglicht Spekulationen mit dem Deutschen Aktienindex, während der Bund-Future – in seiner Konstruktion eng angelehnt an den in London überaus beliebten German Bund – sich am langfristigen Kapitalmarktzins orientiert. Als Fälligkeitsmonate stehen März, Juni, September und Dezember fest, wobei die maximale Laufzeit neun Monate beträgt. Das heißt: Insgesamt werden für jeden Kontrakt drei verschiedene Kurse – für die drei nächstmöglichen Fälligkeitsmonate – festgestellt.

Basieren wird der Dax-Future auf dem Deutschen Aktienindex Dax. Jeder Dax-Punkt ist dabei hundert Mark wert, so daß ein Dax-Kontrakt – so bezeichnet man dieses standardisierte Termingeschäft – bei einem Dax-Stand von beispielsweise 1880 Punkten 188 000 Mark wert sein wird. Der Anleger hat nun zwei Möglichkeiten: Er kann den Dax-Future kaufen und damit auf steigende Börsenkurse setzen. Denn wenn der Dax über 1880 Punkte steigt, erhält er beim Verkauf für jeden Punkt über 1880 hundert Mark. Oder er kann ihn in der Hoffnung auf fallende Kurse verkaufen, ihn später – möglicherweise billiger – wieder zurückkaufen und das Geschäft damit "glattstellen".

Freilich muß der Anleger nicht die vollen 188 000 Mark auf den Tresen seiner Bank legen. Erforderlich ist lediglich ein "Einschuß", dessen konkrete Höhe erst noch festgelegt wird. Entsprechend internationaler Gepflogenheiten dürfte der Einschuß nur bei zehn bis zwanzig Prozent des Kontraktwertes liegen, so daß man bereits mit geringerem Kapitaleinsatz um große Summen spekulieren kann. Beim Handel mit Futures wird allerdings täglich abgerechnet: Analog zur Kursveränderung des Dax werden Gewinne oder Verluste aus dem Kontrakt börsentäglich gutgeschrieben oder belastet. Die Mindestveränderung ist dabei ein sogenannter Tick, der beim Dax-Kontrakt 0,5 Indexpunkten oder fünfzig Mark Kontraktwert entspricht.

Grundgedanke des Terminhandels ist die Absicherungsmöglichkeit für bestehende Portefeuilles: Wenn ein Anleger mit einem größeren Bestand deutscher Aktien Kursverluste befürchtet, sich aber dennoch – etwa mangels anderer Anlagealternativen – nicht von seinen Papieren trennen will, kauft er einen Dax-Kontrakt wieder billiger zurück und hält sein Gesamtengagement damit wertstabil. Umgekehrt kann ein Anleger, der auf steigende Kurse setzt, durch den Kauf eines Dax-Kontrakts infolge der großen Hebelwirkung überproportional vom Marktgeschehen profitieren. Risikobehaftet ist das Geschäft für ihn dennoch: Im Gegensatz zum Kauf einer Option beschränkt sich das Risiko nicht auf das eingesetzte Kapital, sondern auf die Kursveränderung des gesamten Kontraktwertes. Fällt also der Dax-Index bei einem – immerhin möglichen – Crash um 300 Punkte zurück, macht dies immerhin 30 000 Mark aus.

Der Bund-Future indes soll auf einer sogenannten idealtypischen Bundesanleihe mit einer Nominalverzinsung von sechs Prozent, einer Restlaufzeit zwischen achteinhalb und zehn Jahren und einem Ausgabekurs von hundert basieren. Analog zu den Veränderungen des aktuellen Zinsniveaus am Kapitalmarkt wird sich auch der Kurs dieser fiktiven Anleihe entsprechend ändern. Liegt der Zins also bei rund 8,5 Prozent, kostet die Anleihe deutlich unter hundert, fällt der Zins auf weniger als sechs Prozent, klettert der Kurs der Anleihe über die Hundertprozentmarke. Analog dazu verläuft auch der Kurs des Terminkontrakts, wobei es ebenso wie beim Dax-Kontrakt kleine Abweichungen aufgrund der allgemeinen Markteinschätzungen geben kann. Der Kontraktwert beim Bund-Future wird 250 000 Mark betragen, die Mindestveränderung, also der Tick, liegt bei 0,01 Prozent beziehungsweise 25 Mark.

Ähnlich wie beim Dax-Kontrakt sind auch die Möglichkeiten des Bund-Kontraktes: Besitzt ein Anleger ein größeres Portefeuille Anleihen und fürchtet er einen Zinsanstieg mit den damit verbundenen Kursverlusten für die umlaufenden Papiere, verkauft er den Bund-Future. Steigen dann die Zinsen tatsächlich, verdient er über den Kontrakt den Betrag, den er – bei entsprechender Zusammensetzung seines Depots – mit den Anleihen verliert. Umgekehrt hat der Käufer eines Bund-Futures die Möglichkeit, schon mit geringem Kapitaleinsatz auf fallende Zinsen und damit steigende Anleihekurse zu setzen. Interessant ist diese Möglichkeit auch im Falle einer geplanten Investition: Fehlen einem Anleger derzeit noch die erforderlichen Mittel für den Einstieg und fallen die Zinsen wieder, kann er sich über den Kauf eines Future-Kontraktes zumindest das aktuelle Zinsniveau sichern.