Friedrich II., der „Große“ genannt, König von Preußen, Markgraf von Brandenburg, Herzog von Pommern und von Magdeburg, Fürst von Minden und von Halberstadt, Graf von Mark und Ravensberg, Herr von Lauenburg und Prinz von Neuchâtel, war ein unruhiger Zeitgenosse. Die Historiker konnten sich bis heute nicht einigen, ob man ihn nun bewundern oder verabscheuen soll – denn er war Machtpolitiker und Schöngeist in einem Zumindest darin sind sich die Biographen einig: Der „Alte Fritz“ ist der Ahnherr der deutschen Einheit und als solcher muß er nun noch einmal, 204 Jahre nach seinem Tode herhalten: Der Sarg mit seinen Knochen soll ein weiteres Mal auf die Reise geschickt werden. Diesmal von der Stammburg der Hohenzollern zurück nach Berlin.

In einem seiner acht persönlichen Testamente hatte Friedrich verfügt: „Ich habe als Philosoph gelebt und will als solcher begraben werden, ohne Pomp, ohne Prunk und ohne die geringsten Zeremonien. Man bringe mich beim Schein einer Laterne, und ohne daß mir jemand folgt, nach Sanssouci und bestatte mich dort ganz schlicht auf der Hohe der Terrasse, rechter Hand wenn man hinaufsteigt, in einer Gruft, die ich mir habe herrichten lassen.“

Doch dieser Wunsch wurde dem Toten nie erfüllt. Nachdem der Preußenkönig am 17. August um 2.20 Uhr in seinem Bett auf Schloß Sanssouci an der Wassersucht verschied, bahrte man ihn auf und transportierte dann den Leichnam unter einen Thronhimmel ins Audienzzimmer des Potsdamer Schlosses. Friedrichs Neffe, sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II., ließ den Sarg schließlich in der Garnisonskirche von Potsdam beisetzen.

Dort ruhten die Gebeine neben denen seines Vaters, dem „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., bis zum Jahre 1943. Als die Bombardierung Berlins und seiner Umgebung zunahm, fürchteten die Nachfahren des Hauses Preußen-Hohenzollern um die Unversehrtheit ihrer Toten, und es begann eine Irrfahrt, die heute noch nicht zu Ende scheint. Zunächst brachte man die beiden Särge in einen Bunker im Hauptquartier der Luftwaffe nach Potsdam-Eiche. Doch als die Rote Armee immer näher rückte, lud man sie zusammen mit dem toten Hindenburg und seiner Gemahlin auf einen Lastwagen und fuhr mit der brisanten Ladung in einen Kalibergwerkstollen nach Bernterode in Thüringen. Statt der Russen fanden nun die Amerikaner die Sarkophage im Bergwerk und nahmen sie bei der Räumung Thüringens mit in den Westen. In der Elisabethen-Kirche von Marburg glaubten die Amerikaner einen angemessenen Aufbewahrungsort für die Königssärge gefunden zu haben, was aber der Kaiserenkel aus dem Hause Hohenzollern, Prinz Louis Ferdinand von Preußen ganz anders sah. Er stahl 1952 die Gebeine seiner Vorfahren eines Nachts aus der Kirche und brachte sie in die Kapelle der Burg Hohenzollern bei Hechingen.

Seither steht eine halbe Million Besucher im Jahr andächtig am Schluß der Schloßführung vor den beiden Sarkophagen, und selbst manchem Süddeutschen entfahrt an dieser Stelle seit einigen Tagen ein Seufzer der Enttäuschung, wenn der junge Schloßführer seinem auswendig gelernten Text noch den Satz anhängt: „Demnächst werden beide Sarkophage zuruck nach Potsdam gebracht.“

Louis Ferdinand nämlich will nun endlich den Wunsch Friedrichs des Großen erfüllen und ihn in der seit 1744 leerstehenden Gruft von Sanssouci bestatten, ganz nah der Stelle, wo die geliebten Windhunde des Königs begraben liegen. Derzeit ist der Grundbevollmachtigte derer von Preußen, der Bremer Rechtsanwalt Job Ferdinand von Strantz, damit beauftragt, „die materiellen und immateriellen Voraussetzungen für eine Überfuhrung vorzubereiten“. Die Heimkehr nach Potsdam, so Strantz, kann aber keineswegs „still und leise“ vonstatten gehen, schließlich handle es sich bei Friedrich dem Großen „um eine Symbolfigur der deutschen Einheit“. Wenn der Alte Fritz nun wie geplant zu seinem 205. Todestag am 17. August 1991 schließlich dort zur Ruhe kommt, wo er so gerne zu liegen kommen wollte, weiß kein Mensch, wie oft er sich seither im Grab gedreht hat.