Eine "triumphale" Rückkehr hatte es werden sollen, doch der Empfang fiel eher bescheiden aus. Als Ahmed Ben Bella in der vergangenen Woche nach vierjährigem Exil in Algier eintraf, jubelten ihm weit weniger Menschen zu als erwartet. Kaum angekommen, wartete der ehemalige Präsident Algeriens mit markigen Sprüchen auf: In den Irak sollten seine Anhänger ziehen, um Saddam Hussein zu unterstützen. "Jedes Mal, wenn ein islamischer Führer auftritt, will der Westen ihn stürzen", rief Ben Bella, "gestern Nasser und Khomeini, heute Saddam, morgen vielleicht Ben Bella in Algerien."

Ben Bella hat Geschichte gemacht. Er gehörte zum historischen Komitee der "Neun Brüder", das 1954 den Aufstand gegen die Franzosen anzettelte und Algerien auf den Weg in die Unabhängigkeit führte. 1963 zum ersten Präsidenten des befreiten Landes ernannt, wurde er bereits zwei Jahre später durch einen Militärputsch gestürzt. Die folgenden Jahre unter Hausarrest, in Haft und im Exil begründeten seinen Ruf als Märtyrer für Algerien.

Jetzt hofft der 74jährige Rückkehrer auf ein politisches Comeback. Doch was gilt der Befreiungsheld von damals im heutigen Algerien, in dem drei Viertel der Bevölkerung erst nach seiner großen Zeit geboren wurden? Im Exil hat sich der einstige Radikalsozialist und Generalsekretär der heute noch regierenden algerischen Befreiungsfront (FLN) zum Verfechter des islamischen Fundamentalismus gemausert. Als solcher kommt er der Front Islamique du Salut (FIS) ins Gehege, der zwar jeder Bundesgenosse im Kampf gegen die FLN willkommen ist, die aber der Wandlung des Politikers mißtraut. Auch hat die FIS bei den Kommunalwahlen im Juni mit ihrem triumphalen Sieg über die FLN bewiesen, daß sie ohne Ben Bellas Unterstützung glänzend zurechtkommt.

Noch spekuliert Ben Bella auf eine Listenverbindung mit der FIS bei den ersten Mehrparteienwahlen in Algerien. Seine Präsidentschaftskandidatur für den Untergang im kommenden Frühjahr hat er offiziell noch nicht angemeldet, doch bestehen kaum Zweifel, daß er an die Spitze in Algerien drängt. So fordert er den Rücktritt des erst seit einem Jahr amtierenden Ministerpräsidenten Maloud Hamrouche und appelliert an den "nationalen Konsens" der Algerier, an eine Sammlung des Volkes, um die FLN zu stürzen.

Angesichts seiner inneren Zerrissenheit und der drückenden wirtschaftlichen Probleme bedürfte Algerien eines Vermittlers. Doch Ben Bella neigt eher dazu, jene Rolle zu spielen, die ihn am direktesten zur Macht führt. piep.