DIE ZEIT

Faule Klausel

Am 2. Dezember sollten die ersten gesamtdeutschen Wahlen stattfinden. Statt dessen gehen wir jetzt auf deutsch-deutsche Wahlen zu – nach unterschiedlichen Regeln für die frühere Bundesrepublik und die Ex-DDR.

Zeitspiegel

Wie soll die Staatsflagge des geeinten Deutschland aussehen? Hammer, Zirkel und Ährenkranz auf schwarzrotgoldenem Grund sind durch den SED-Unrechtsstaat für alle Zeiten diskreditiert.

Früh die Zeichen der Zeit erkannt

Eine neue Epoche ist angebrochen. Nicht eine neue Phase, wie schon oft während der letzten Jahrzehnte, in denen es immer wieder einmal Ansätze zur Entspannung gegeben hat.

Das starke Stück der Union

Bis vor einem Jahr war die Partei sein Leben. Durch sie und in ihr und mit ihr ist der sechzigjährige Helmut Kohl schon fast alles gewesen, was Politik zum Beruf macht: siebzehn Jahre lang Abgeordneter im Landtag von Rheinland-Pfalz (1959-1976); sieben Jahre Stadtverordneter in seiner Heimatstadt Ludwigshafen (1960-1966); zwölf Jahre CDU-Fraktionsvorsitzender (von 1963 bis 1969 im Landtag, von 1976 bis 1982 im Bundestag).

Uniert

Unter dem Strich ist auf dem Vereinigungsparteitag der CDU alles nach Kalkül und Erwartung ausgegangen: Natürlich ein überwältigendes Ergebnis für Helmut Kohl, den Parteivorsitzenden, und ein nicht minder deutliches Votum für Lothar de Mazière, der fortan als Kohls alleiniger Stellvertreter in der Partei agieren soll.

Rote Beute

Zum Kernbestand der Erfahrungen aus nationalsozialistischer Vergangenheit gehört: Der Staat soll sich aus dem Rundfunk – diesem bevorzugten Objekt propagandistischer Begierde – heraushalten.

Bitte kein Triumphgefühl

ZEIT: Herr Admiral, Sie sind in der beneidenswerten Lage eines Feldherrn, zu dem der Feind überläuft, ohne daß ein Schuß auf ihn hätte abgegeben werden müssen.

Denkzettel für die Nostalgiker

Die Ungarn haben ihrer jungen Demokratie für die mühseligen Gehversuche der ersten Monate eine Quittung erteilt. Zum fünften Mal in diesem Jahr an die Urnen gerufen, diesmal zu Kommunalwahlen, blieb am vergangenen Sonntag mehr als die Hälfte enttäuscht, verärgert und mißtrauisch zu Hause.

Bonner Bühne: Ruhe vor dem Sturm

Jetzt sind sie also da. Und Bonn ist sozusagen hautnah auf sie eingestellt – wenn es denn gelingt, die 144 Abgeordneten aus der Nichtmehr-DDR in dem Gewühl überhaupt auszumachen, das an diesem Premierenfreitag im Plenum herrschen wird.

Nachlese: Algerien: Held ohne Glanz

Eine "triumphale" Rückkehr hatte es werden sollen, doch der Empfang fiel eher bescheiden aus. Als Ahmed Ben Bella in der vergangenen Woche nach vierjährigem Exil in Algier eintraf, jubelten ihm weit weniger Menschen zu als erwartet.

Historiker-Kongreß in Bochum: Die Abrechnung

Diese Herren sind nicht demokratiefähig!" – "Wir werden zur geistigen Provinz, wenn diese Herren auf ihrem Posten bleiben!" – "Ihr moralisches Versagen spüren diese Herren gar nicht!" Wie Peitschenhiebe knallen die Vorwürfe durch den großen Saal des Audimax der Universität Bochum.

Letzter Wille: Heim nach Sanssouci

Friedrich II., der "Große" genannt, König von Preußen, Markgraf von Brandenburg, Herzog von Pommern und von Magdeburg, Fürst von Minden und von Halberstadt, Graf von Mark und Ravensberg, Herr von Lauenburg und Prinz von Neuchâtel, war ein unruhiger Zeitgenosse.

Besser spät als nie

Die Skeptiker hatten unrecht. Sie glaubten, daß in den Vereinigten Staaten die politische Kaste auch in diesem Jahr unfähig sein würde, das Defizit im amerikanischen Haushalt zumindest ansatzweise unter Kontrolle zu bringen.

Bonner Kulisse

Wirtschaftsminister Helmut Haussmann hatte Grund, sich über das Amtsdeutsch seines Hauses zu mokieren. Auf seinem Schreibtisch landete eine entsprechend verschlüsselte Vorlage, die sich mit dem "Ersatz für den Ausbildungsberuf "Verkäufer / Verkäuferin’" beschäftigte.

Bundeshaushalt: Aufgebläht

Finanzminister Theo Waigel, der soeben seinen dritten Nachtragshaushalt mit 25 Milliarden Mark neuen Schulden eingebracht hat, muß aufpassen, daß sein Appell zu äußerster Sparsamkeit nicht Makulatur wird.

Privatbankiers: Ausgedient

Wer die Macht des Geldes bezwingen, wer sich seiner Tyrannei entziehen will, für den gebe es nur einen Weg, schreibt der portugiesische Erzähler Fernando Pessoa: Er muß Bankier werden.

Kaffeefahrten: Melkfett und Massagekissen

Dienstag, 7.30 Uhr: Brückenrasthaus Frankenwald an der bayerischen Grenze. Erster Stopp. Seit fünf Uhr morgens sind sie mit dem Bus unterwegs, fünfzig Sachsen auf Kaffeefahrt nach Bamberg.

Sozialstaat: Im Westen noch nichts Neues

Die Diskussion war tot, begraben schon in den Archiven. Das Thema Mindestsicherung für Alte und Arme schien abgehakt. Konjunktur hatte es in den achtziger Jahren gehabt, als über eine Reform des bundesdeutschen Rentenwesens gestritten wurde.

"Wir sind doch keine Sozialpartner!"

Hundert Jahre Gesamtmetall, hundert Jahre Zusammenschluß der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie, sind sicherlich Anlaß genug, um über die Beziehungen zwischen der großen Arbeitgeberorganisation in der Metallindustrie und der zuständigen Industriegewerkschaft Metall nachzudenken.

Keine Einbahnstraße

Noch kann niemand sagen, ob der deutsche Aktienmarkt wieder Boden unter den Füßen hat. Doch die Kursexplosion vom Wochenbeginn machte deutlich, daß die Anleger nach Wochen der Lethargie nun bereit sind, auch einmal auf positive Nachrichten zu reagieren – so jedenfalls wurden die Friedensbemühungen der Franzosen im Golfkonflikt gewertet.

Manager und Märkte

Zeitschriften: Kulturschock im Osten Geldnoten: Schein der Einheit Telephonkarten: Service für Liebhaber

Preisdruck im Herbst

Wenn nicht alles täuscht, müssen sich die Deutschen in der nächsten Zeit wieder an höhere Inflationsraten gewöhnen: Der Anstieg der Verbraucherpreise hat nach Angaben des Statistischen Bundesamts im September einen neuen Jahreshöchststand erreicht.

Zum Tode von Alwin Münchemeyer

Am 1. März 1956 wurde ich ein ‚wichtiger Mann‘", läßt Stefanie Viereck ihren Vater sagen, als er, der Bankier Alwin Münchmeyer, zum Präses der Hamburger Handelskammer gewählt wurde.

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