Mit einer ganz besonderen Note leistete die Deutsche Bundesbank ihren eigenen Beitrag zur Deutschen Einheit. Fast pünktlich zur Vereinigung von Bundesrepublik und DDR wurden am vergangenen Montag die ersten neuen Geldscheine verteilt, die das große Ereignis in besonderem Maße würdigen. Vor allem der neue Hunderter ist zum "Schein der Einheit" geraten. Einerseits zeigt er die Klaviervirtuosin Clara Schumann. Im Jahre 1819 in Leipzig geboren und 1896 in Frankfurt am Main gestorben, symbolisiert sie die Zusammengehörigkeit der beiden Teile Deutschlands. Verstärkt werden die aktuellen Bezüge durch die Abbildung von Stätten der "deutschen Revolution", etwa dem Gewandhaus und anderen Leipziger Gebäuden auf der Vorderseite. Korrespondierend, dazu war ursprünglich auf der Rückseite neben einem Flügel das Frankfurter Bankenviertel zu sehen, quasi als Symbol für die Marktwirtschaft. Doch dieses Motiv mußte einem Frankfurter Konservatorium weihen, da die beiden Bürotürme der Deutschen Bank überdeutlich zu erkennen waren, wie Bundesbankdirektor Günter Storch in einer Feierstunde gestand. Gelobt wurde am Rande dieser Feier der Mut der Bundesbank zur Aktualität, aber auch ihre Weitsicht. Schließlich wurden Motive des neuen Hunderters und der Termin seiner Einführung bereits vor zwei Jahren festgelegt.

Sie war einst die einzige Frauenzeitschrift in der DDR: Mit einer Auflage von 950 000 Exemplaren pro Woche mußte die Für Dich denn auch nur verteilt werden – so viele, wie eigentlich hätten verkauft werden können, sind nie produziert worden.

Doch seit die westdeutschen Frauenblätter, von der Brigitte über die Klatschblätter bis zu Bild der Frau, ins Land kamen, wurde für das DDR-Blatt, das im einstigen SED-eigenen Berliner Verlag erscheint, die Luft immer dünner.

Die Auflage der Für Dich stürzte auf 300 000 Exemplare ab. "Es könnten auch noch weniger sein", fürchtet Chefredakteurin Frieda Jetzschmann. Schuld daran ist nicht so sehr der Preisanstieg von einstmals sechzig Pfennig auf 1,50 Mark, sondern vielmehr die bunte Machart der Westblätter: Sie locken mit Rat und Tips für Schönheit, Kinder und Küche, mit Geschichtchen über Adel und sonstige Prominenz. "Das große Bedürfnis nach Ratgebung und Unterhaltung haben wir unterschätzt", räumt Frieda Jetzschmann ein, die ihr Blatt stets mehr als Illustrierte für berufstätige Frauen betrachtet hat.

Das soll nun anders werden: Inzwischen haben die Zeitschriftenprofis des Hamburger Verlages Gruner + Jahr und des britischen Maxwell-Konzerns den Berliner Verlag übernommen. Die Weisung aus Hamburg für die Für-Dich-Mannschaft ist klar: Mehr Nutzwert, mehr Themen auf eine Seite. Da bleibt für anspruchsvolle Reportagen und Dossiers nur noch wenig Platz.

In der vergangenen Woche bekamen die irritierten Macherinnen erneut Anschauungsunterricht: Die Verlegerin Aenne Burda brachte mit Meine Woche einen neuen Titel zum Einführungspreis von 95 Pfennig an den Markt der einstigen DDR. Da bekommen die Leserinnen gleich alles auf einmal serviert: Sex-Beratung, Adelsgeschichten, Mode, Handarbeit und Rätsel, Rei-Mode, und Rezepte, Gewinnspiele und Bastelbogen – "wofür Sie bisher drei oder vier Blätter kaufen mußten", wie Verlegerin Aenne Burda im ersten Heft schwärmt. Gleich 500 000 Stück kommen an den Markt – als Test fürs ganze deutschsprachige Gebiet.

Die Luft für Für Dich, so scheint es, wird tatsächlich dünner.