Zum Kernbestand der Erfahrungen aus nationalsozialistischer Vergangenheit gehört: Der Staat soll sich aus dem Rundfunk – diesem bevorzugten Objekt propagandistischer Begierde – heraushalten. Ja, die "Staatsferne" hat in einer ganzen Reihe von Rundfunkurteilen verfassungsrechtlichen Rang erworben.

Daß sich die Unionsparteien darum wenig scheren, ist bekannt, seit Konrad Adenauer sein Deutschlandfernsehen propagierte; nur Karlsruhe konnte ihn, 1961, stoppen. Daß aber auch die Sozialdemokraten trotz all ihrer Bekenntnisse zur Rundfunkfreiheit bis auf den heutigen Tag ebenso zuschnappen, wenn Beute zu machen ist, dafür liefert die in Hamburg, Hannover und Kiel residierende Dreiländeranstalt NDR erneut ein abstoßendes Beispiel: Intendant Peter Schiwy – 1987, als Hannover und Kiel noch in CDU-Hand waren, inthronisiert – muß vorzeitig gehen. Ihm folgt auf rotem Ticket sein Vertreter Jobst Plog – schließlich gehören mittlerweile auch Schleswig-Holstein und Niedersachsen der SPD.

Dies hat wunderbarerweise der noch konservativ beherrschte Rundfunkrat im "breiten Konsens" entschieden. Also darf der alte Schwarzfunk wieder Rotfunk sein.

Und der Probelauf zur Neuordnung des Rundfunks in der verblichenen DDR ist aufs unfeinste gelungen, die Täter handeln ja im "breiten Konsens". rf