Lieber, heißt es, nur eine kleine Frage: Was erwarten Sie von Deutschland, was wünschen Sie dem vereinten Land? So lautet die bescheidene Anfrage, aber unterstrichen. Werde ich als Außenstehender gefragt? Ja.

Ist Deutschland nicht ein alter Teppich, der jetzt frisch aus der Reinigung kommen soll? Habe ich mich nicht an den alten Dreck gewöhnt? Waren die alten Farben nicht erkenntlich genug? Wie neu soll der Teppich wieder sein. Aber wie neu? Hm. So neu, daß ich es nicht wage, ihn zu betreten? Nur eins weiß ich: Die kleinsten Fussel werden mich stören.

Ich gehöre nicht zu den Deutschen, die die Angst hegen, sich in ausländischen Hotels einen Fußpilz zu holen. Vielmehr unterziehe ich mich in den fremden aber nicht unsympathischen Bädern besonderer hygienischer Disziplin, weil es mich ängstigt, daß sich mein Fußpilz auf andere übertragen könnte. Denn so, wie er mir die Nägel zerfrißt – ein Anblick, den ich bei anderen nicht ertragen könnte. Denn, denke ich mir, wenn ich niemand schädige, kann ich mir das Gerechtigkeitsgetue der Unrechtsbrüder sparen. Ich denke dabei nicht nur an die Kommunisten.

So wie ich ohne den deutschen Roman, die deutsche Architektur, ja die deutsche Wirtschaft leben kann, ja, ohne die deutsche Medienlandschaft lebe, so einfach ist es mit der deutschen Frau nicht. Ich erhoffe mir eine Ostberlinerin zur Lebensgefährtin. Denn aufwachen kann ein jeder – aber weiterleben?

a.

Von einem Deutschland, das sich vereinigt hat, wäre zu erwarten, daß es seine Spalten, seinen Medienraum weit öffnet für alle Themen, die bitte nichts zu tun haben mit einem Deutschland, das sich vereinigt. Deutschland muß wieder zu einer dominierenden Auslandsberichterstattung finden. Dankbarkeit für ein baldiges (– mittelfristiges, – dereinstmaliges) Ende des grassierenden Nachrichten-Narzißmus Marke WaO (We about Ourselves) wäre international erwartbar.

b.