Neben Deutschland und dem Nahen Osten beschäftigt derzeit noch ein dritter traditioneller Krisenherd der Welt die Öffentlichkeit: Südafrika. Auch dort ist die Situation in Bewegung geraten. Aber die Nachrichten vom Kap werden, zumindest für Mitteleuropäer, immer verwirrender.

Während erstmals in der Geschichte dort ein weißer Präsident und ein ehemaliger schwarzer "Staatsfeind" gemeinsam über die Zukunft des Landes beraten und die Schwarzen damit ihrer Gleichberechtigung unerwartet rasch näherkommen, bringen sie sich gegenseitig um. Nicht der gefürchtete Rassenkampf Schwarzer gegen Weiße, sondern ein blutiger Bürgerkrieg zwischen Schwarzen gefährdet den Staat. Was ist die Ursache dieser für Nicht-Afrikaner kaum begreiflichen Entwicklung?

Der Südafrikaner Rian Malan versucht, diese Frage in seinem Buch "Mein Verräterherz" zu beantworten. Nicht in Form wissenschaftlicher oder politischer Analysen auf Grund von Fakten und Zahlen, sondern durch Tatort- und Erlebnisberichte sowie durch Schilderung von Menschen. Als Grundlage dient ihm dabei die Geschichte seiner selbst und seiner Familie.

Der Autor ist ein Nachkomme von Jacques Malan, einem Hugenotten, der auf der Flucht vor den Katholiken 1688 am Kap der Guten Hoffnung landete, dort eine Farm aufbaute und ein erfolgreicher und geachteter Bürger wurde. Hundert Jahre später verliebte einer seiner Enkel sich in eine schwarze Sklavin, zeugte mehrere Kinder mit ihr und flüchtete mit ihr in die Wildnis, kehrte später aber wieder zu seinen burischen Landsleuten zurück und wurde nun ein fanatischer weißer Rassist.

Dieser politischen Haltung blieb die Familie von nun an treu. Der Großonkel des Autors Daniel François Malan war von 1948 bis 1954 südafrikanischer Premierminister und einer der radikalsten Vorkämpfer der Apartheid. Sein Onkel Magnus Malan ist heute Südafrikas Verteidigungsminister. "Bei allen großen Dramen und Wendepunkten in der Geschichte der Afrikaaner war stets ein Malan dabei", umschreibt der Autor die Stellung seiner Familie.

Rian Malan, 1954 in einem Villenviertel von Johannesburg geboren, wurde zu einem "schwarzen Schaf" seiner Familie. Er rebellierte gegen die Privilegien der weißen Minderheit, schloß sich sozialistischen Protestlern an, arbeitete als Polizeireporter für eine liberale Johannesburger Tageszeitung, lernte dabei die schwarzen Townships und die weißen Gefängnisse des Landes kennen und flüchtete schließlich, um nicht als Soldat eingezogen zu werden, in die USA. 1985 kehrte er nach Südafrika zurück.

Nach seiner Rückkehr bereiste er sein Heimatland. Und sein Buch schildert, was er dabei sieht und erlebt. Es sind grausige Dinge. Zum Beispiel die Geschichte von Simon Mpungose, dem schwarzen Hammermörder, der Weiße beraubte und umbrachte, weil sie reich waren und er kaum eine Chance hatte zu leben, und der sich deshalb für berechtigt hielt, sie umzubringen, aber zugleich auch anerkannte, daß er dafür bestraft werden mußte, und vor Gericht seine Hinrichtung verlangte. So eine Demonstration schwarzer Bergarbeiter, die in panischer Angst vor einem riesigen Wasserwerfer anfangen, Amok zu laufen und daraufhin von bewaffneter Polizei zusammengeschossen werden. Oder das Leben eines liberalen weißen Idealisten, der ein Bewässerungsprojekt für hungernde Schwarze aufzieht, mit ihnen lebt und deswegen von weißen Farmern bedroht wird und schließlich von seinen schwarzen Freunden umgebracht wird, weil er einen blutigen Bürgerkrieg zwischen einigen ihrer Stämme zu verhindern versucht.