Neue Fahnen

Wie soll die Staatsflagge des geeinten Deutschland aussehen? Hammer, Zirkel und Ährenkranz auf schwarzrotgoldenem Grund sind durch den SED-Unrechtsstaat für alle Zeiten diskreditiert. Der Bundesadler stößt manchem Bürger der Ex-DDR auf: Der Greifvogel – ein Symbol ihrer Einverleibung. Warum nicht gleich eine neue Fahne, ein neues Insignum, fragt eine Bremer Werbeagentur. Die alten Farben, einst angeregt durch die Uniformen des Lützowschen Freikorps, seien ohnehin nicht mehr zeitgemäß. Ob sich die Bremer PR-Leute von Neuseeländern haben anregen lassen? Dort rief die Regierung die Bevölkerung auf, über ein neues Staatssymbol nachzudenken. Einzige Bedingung: Die englische Commonwealth-Tradition muß pazifischer Identität weichen.

Mann der Mitte

Jacques Médecin regierte Nizza mit harter Hand – als Bürgermeister der Stadt, aber auch als mutmaßlicher Drahtzieher in deren Unterwelt. Das zwielichtige Stadtoberhaupt hat sich rechtzeitig nach Argentinien abgesetzt, um dem Kadi zu entkommen. Noch vor kurzem hat er selbst einen Prozeß gegen das französische Magazin L’Evenement du Jeudi angestrengt, den er kaum mehr gewinnen dürfte: Das Blatt schrieb über den notorischen Rassisten, er sei "kein Politiker des Zentrums, sondern einer der Mitte". Für "Mitte" verwenden die Franzosen das zweideutige Wort milieu.

Überirdisch

Der Kaiser ist weder eine Gottheit noch das Oberhaupt der shintoistischen Religion. Diesen Verfassungsgrundsatz sehen tausend Japaner im Hinblick auf die Krönungszeremonie des neuen Herrscherpaares Akihito und Michiko verletzt. Gemeinsam verklagten sie die Regierung: Das religiöse Zeremoniell sei ein hochoffizieller Festakt und verstoße als solcher gegen die strikte Trennung von Staat und Kirche. Diese hatte man nach der unheilvollen Führungsrolle des alten Tenno im Zweiten Weltkrieg vollzogen. Anstoß nehmen die Kläger, in der Mehrzahl Angehörige von Opfern der amerikanischen Atombombenabwürfe auf Nagasaki und Hiroshima, auch am Hochzeitsritual: Der neue Tenno und seine Braut sollen himmlisch entrückt auf zwei riesigen Thronsesseln Platz nehmen. Inzwischen ließ sich die Regierung zu einem Zugeständnis herab: Der Thron wurde auf die irdische Höhe von 1,80 Metern gestutzt.

Publizistikpreis

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie hat den Publizistikpreis 1990 an Katharina Zimmer verliehen, in Anerkennung ihrer Bücher und Artikel über die psychologischen Probleme heranwachsender Kinder und Jugendlicher. Katharina Zimmer war von 1959 bis 1976 ZEIT-Autorin und von 1976 bis 1986 Redakteurin im ZEITmagazin.