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Von Reiner Luyken

Das unglaubliche Statement fiel im Jahr 1980. Die Vorstellung, erklärte Lord Denning, daß Polizisten Meineide schwörten und mit Gewalt Geständnisse erpreßten, sei zu entsetzlich, als daß man sie ernsthaft in Betracht ziehen könne.

Lord Denning, damals einer der ranghöchsten Richter Englands, verwarf mit dieser Begründung einen Revisionsantrag von sechs im Strafgefängnis Gartree einsitzenden Iren, den "Birmingham Six". Die Sechserbande wurde 1975 für die Bombenattentate auf zwei Pubs in Birmingham, das "Mulberry Bush" und das "Tavern", zu lebenslanger Haft verurteilt. 21 Menschen waren bei den Attentaten ums Leben gekommen, es gab 182 zum Teil schwer Verletzte. Die IRA erklärte, keiner der sechs gehöre zu ihren Truppen. Die sechs bestanden immer auf ihrer Unschuld – außer in Polizeigewahrsam.

Paddy Hill, Häftling Nummer 509 496, beschreibt eine Fahrt im Polizeiwagen nach seiner Festnahme so: "Meine linke Hand war mit einer Handschelle an das Wagendach gefesselt. Ein jüngerer Beamter saß am Steuer, Inspektor M. neben ihm auf dem Beifahrersitz. Ein älterer Beamter, B., war neben mir, hinten im Wagen. Er befahl mir, auf der Kante zu sitzen und die Beine zu spreizen. Dann rammte er mir seinen Polizeiknüppel zwischen die Beine und schrie, jetzt sei es vorbei mit dem Zeugen kleiner Irenschweine. Inspektor M. drehte sich um und schlug mir seine Pistole über den Kopf. Dann steckte er mir den Lauf der Waffe in den Mund und drückte zweimal ab. Wie sollte ich wissen, daß sie nicht geladen war? Er lachte und sagte zu dem Fahrer: ‚Halt kurz an, damit ich ihm den Kopf vom Hals blasen kann!‘ Alle drei lachten, er drückte mir die Pistole ans Auge und sagte, die ersten beiden Male hätte ich Glück gehabt. Mal sehen, was beim dritten Mal passiere..."

Am 12. Juli 1982 erhielt Paddy Hill folgendes Schreiben: "Sehr geehrter Herr Hill, selbstverständlich habe ich Ihr Gerichtsverfahren verfolgt, und ich bin der Meinung, daß der Gerechtigkeit nicht in jeder Hinsicht Genüge geleistet wurde. Ich muß Ihnen dennoch, so leid mir dies tut, mitteilen, daß wir in dieser Angelegenheit nicht tätig werden können. Die Entscheidung über die Wiederaufnahme eines Verfahrens liegt beim Innenministerium. In Ihrem Fall steht die Reputation so vieler Leute auf dem Spiel, daß die Chancen einer Revision nach meinem Dafürhalten gleich Null sind.

Mit vielen Grüßen, Ihr Tom Sargant."

Tom Sargant war damals Geschäftsführer von "Justice", der britischen Sektion der Internationalen Juristenkommission, eines hochrespektablen Verbandes ehrenhafter Advokate, Kronanwälte und Richter.

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Einer der Männer, dessen Reputation auf dem Spiel stand, war Lord Denning. Paddy Hill begann einen Hungerstreik. Die Lage schien aussichtslos. Die sechs Gefangenen hatten ein Geständnis abgegeben, und damit war der Fall erledigt. Warum hatten sie gestanden? Hills Mithäftling Billie Power schildert ein Verhör durch Detective Sergeant Alan Watson und Detective Constable Michael French in der Polizeistation von Morecambe:

"Zweimal kam ein dritter Kriminalbeamter in den Raum und schlug mich im Vorbeigehen seitlich auf den Kopf. Beim zweiten Mal sagte er: ‚Schickt ihn zu uns rüber.‘ Dann ging er wieder hinaus. F. bemerkte: ‚Verglichen mit ihm sind wir die reinsten Engel.‘ Die beiden erklärten mir, vor meinem Haus daheim hätte sich ein Mob versammelt. Der wolle meine Frau und Kinder zu fassen bekommen. Jetzt sei ein Polizeiaufgebot vor Ort, sie zu beschützen. Wenn ich nicht bald ein Geständnis ablegte, würden sie das Aufgebot abziehen lassen. Ich sagte: ‚Das könnt ihr nicht tun!‘ Dann aber kam der andere Beamte wieder dazu und sagte: ‚Bleibt wohl nichts anderes übrig.‘ Er packte mich bei meinen Haaren und zog mich in ein anderes Zimmer.

In dem Zimmer waren vier Mann. Es war dunkel, nur eine Tür stand einen Spalt offen. Ich wurde in den Raum geschubst und von allen vieren mit Fäusten und Fußtritten bearbeitet. Ich knickte zusammen und fiel zu Boden. Sie zerrten mich an den Haaren in die Höhe und begannen von neuem. Wieder und wieder rutschte ich, an eine Wand gelehnt, zu Boden. Jedesmal zerrten sie mich wieder hoch. Dann rief einer: ‚Das ist genug.‘ Ich mußte mich mit den Händen gegen die Wand stellen. Einer rief, ‚okay‘, und ein anderer schrie: ‚Streck ihm die Eier, streck ihm die Eier!‘ und er schrie mir ins Ohr: ‚Mit dem Kindermachen ist’s von jetzt an vorbei – verstehst du mich?‘ Einer packte meine Hose, und ich rief, ‚okay, okay‘, ich hielt es nicht mehr aus. Sie schleiften mich bei der Gurgel zurück ins Verhörzimmer. Noch länger, und sie hätten mich tragen müssen. Sie hatten die Gedärme aus mir herausgeprügelt. Meine Hose war voll Kot."

In schrecklicher Angst und kaum mehr wahrnehmungsfähig unterschrieb er von den Polizisten aufgesetzte Geständnisse. So die eine Version.

Wer dieser Version in den siebziger Jahren – den Jahren der irischen Hexenjagd – Glauben schenkte, galt als IRA-Sympathisant, als Propagandist einer terroristischen Vereinigung. Zwischen dem 29. August 1973 und dem 21. November 1974 detonierten in den West Midlands – der Gegend um Birmingham – 58 IRA-Bomben. Die damalige Labour-Regierung peitschte radikale Anti-Terror-Gesetze durchs Unterhaus. Die schamlosen Massenblätter aus der Fleet Street übertrafen sich gegenseitig in der Erfindung aufrührerischer Balkenüberschriften. Weder amnesty international noch das National Council for Civil Liberties, der britische Bürgerrechtsrat, wagte, das heiße Eisen anzufassen. Nacht- und Nebelaktionen der Polizei gegen irische Gastarbeiterfamilien gehörten zum englischen Alltag. "Viele meiner Landsleute", erinnert sich die irische Ordensschwester Sarah Clarke, "wagten damals kaum, ihren Mund aufzumachen. Sie wollten sich nicht durch ihren Dialekt verraten..."

Heute gehört es fast zum guten Ton, das Schicksal der Birmingham Six zu bejammern. Die konservative Times schrieb jüngst: "Auch Polizisten, selbst höhergestellte Beamte, lügen manchmal. Und die Wahrheit macht nicht vor einem Iren im Arbeitskittel halt. Es scheint, als habe die Statue der Justitia über dem Old Bailey in London mit ihrer Augenbinde als Symbol für die Unparteilichkeit der englischen Gerichte den sechs von Birmingham schlecht gedient." Innenminister Waddington verwies das Verfahren zur erneuten Überprüfung an den Appellationsgerichtshof. Eine polizeiinterne Untersuchungskommission fand in der Dokumentation der ursprünglichen Ermittlungen Fälschungen. Fast täglich warten nun Zeitungen und Fernsehprogramme mit neuen Enthüllungen zum Thema Birmingham Six auf. Jeder Schmock gibt sich den Anschein, er habe schon immer auf der Seite der zu Unrecht Verurteilten gestanden. Die Entdeckung grundlegender Defekte des englischen Rechtssystems ist zum intellektuellen Nationalsport avanciert.

Bereits vor einem Jahr hatte der Oberstaatsanwalt die lebenslangen Gefängnisstrafen der "Guildford Four" gekippt. Nach fünfzehn Jahren Haft wurden die vier für Bombenattentate in Guildford und Wollwich eingekerkerten Paul Hill, Gerry Conlon, Paddy Armstrong und Carole Richardson von einem Tag zum anderen entlassen. Wie im Fall der sogenannten Sechserbande von Birmingham erwiesen sich die Polizeiakten als löchrig oder getürkt. Und im Oktober kommt der Fall der Familie Maguire vor das Berufungsgericht.

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Die "Maguire Seven" haben ihre Strafen für ein verschwörerisches Komplott und die Herstellung von Bomben bereits abgesessen. Annie Maguire, die angebliche "Rädelsführerin", und ihr Mann waren vierzehn Jahre im Gefängnis, ihre beiden Söhne Vincent und Patrick, damals noch Teenager, vier und fünf Jahre. Pat O’Neill, ein Freund der Familie, saß acht Jahre, Annies Bruder Sean Smyth und ihr Schwager Giuseppe Conlon je zwölf Jahre. Giuseppe Conlon starb im Gefängnis. Er war der Vater von Gerry Conlon – einer der vier von Guildford. Die Urteile im Fall Maguire stützten sich fast ausschließlich auf Geständnisse Gerry Conlons und Paul Hills. Gerry Conlon beschreibt seinen Empfang in der Polizeistation von Addlestone, in der ihm die Geständnisse abgepreßt wurden, folgendermaßen:

"Ich wurde in einen langen Raum gestoßen, in dem sämtliche Polizisten der Stadt auf mich zu warten schienen. Sie standen in zwei Reihen wie zum Spießrutenlauf. Chief Inspector Grundy schubste mich zwischen ihnen durch. Einer murmelte: ‚Irenschwein!‘ Ich spürte einen Fußtritt gegen mein Schienbein ... Spucke landete auf meinem Hemd. Ich stolperte unter einem Hagel von Beschimpfungen und Tritten zum Empfangstisch. ‚Name?‘ Ich flüsterte meinen Namen. Der Sergeant hinter dem Tisch lehnte sich vor, packte mich beim Hemd und zog mich vornüber. ‚Du Killersau‘, brüllte er mir ins Gesicht. ‚Du irisches Schwein! Du Vieh! Sag deinen Namen, Geburtsdatum und Adresse in einer mir verständlichen Sprache.‘ Ich gehorchte. ‚Okay‘, sagte er dann. ‚Zieh dich aus.‘ Ich blickte mich nach einer Umkleidekabine um. Der Sergeant schrie: ‚Was suchst du, du Schwein? Ausziehen, habe ich gesagt. Hier, auf der Stelle.‘ Ich schlotterte vor Angst, als ich meine Kleider ablegte. War das Wirklichkeit oder ein böser Traum? Es konnte doch nicht wahr sein! Als ich völlig nackt dastand, umringten mich die Polypen und frotzelten: ‚Oh Gott, ganz schön welke Nummer, was?‘ – ,Abschneiden, abschneiden...!‘"

Gerry Conlon war damals zwanzig Jahre alt. Einer der Polizisten bei seinem Verhör war Superintendent Peter Imbert. Imbert ist heute Polizeipräsident von Londonder Spitzenjob im englischen Polizeiwesen. Bereits 1976 hatte ein IRA-Trupp die volle Verantwortung für die Bombenattentate in Guildford und Woolwich übernommen. Das Appellationsgericht verwarf die frei vorgebrachten Geständnisse als "geschickten und hinterhältigen Versuch, das Gericht irrezuleiten". Es verlies sich lieber auf Bekenntnisse, die Halbwüchsigen mit Prügel, Gewalt und Folter abgezwungen worden waren.

Das englische Rechtssystem hat sicher Defekte. Gerichtsverfahren werden derart antagonistisch ausgetragen, daß für Zweifel kein Raum bleibt. Die Jury kann bei einem Schwurgericht nur auf "schuldig" oder "unschuldig" entscheiden. Ein drittes Verdikt wie "Schuld unbewiesen" gibt es nicht. Die Voruntersuchungen macht ausschließlich die Polizei; die Anklage stützt sich nur auf von ihr beschaffte Beweise. Und Berufungsverfahren befassen sich in der Regel nur mit juristischen Detailfragen; Nachuntersuchungen werden oft

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von derselben Polizeieinheit durchgeführt, die schon die Beweise für das ursprüngliche Verfahren lieferte.

Das Grundübel sitzt freilich tiefer. Für die irische Nonne Sarah Clarke liegt es in "dieser schrecklichen antiirischen, antischwarzen, fremdenfeindlichen Einstellung" des englischen Establishments. Ein Richter – auch die Jury – schenkt einem englischen Polizisten mehr Glauben als einem Fremdling.

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Die britische Polizei ist heute zutiefst korrupt. Mir fiel es selbst oft schwer, das Ausmaß dieses Übels zu akzeptieren. Mir fällt es nicht mehr so schwer, seit ich einen mir bekannten, mittlerweile vom Dienst zurückgetretenen Bobby von seinen schönsten Stunden in der Polizei schwärmen hörte. Die bestanden für ihn darin, nachts "Schwulentreffs auszuheben und die verfluchten Arschficker zu verprügeln. Gott, wie ich sie hasse!" Die routinemäßige Mißachtung grundlegender Menschenrechte in den Polizeistationen wurde mir deutlich, als eine Bekannte kürzlich wegen einer Nichtigkeit eingebuchtet wurde. Sie wurde von vier Polizisten und einer Politesse verprügelt, ausgezogen, durchsucht und über Nacht festgehalten. Ohne Rechtsbeistand. Jetzt muß sie wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt vor Gericht. Der ursprüngliche Verdacht – wahrscheinlich Drogen, man sagte es ihr nicht – war durch nichts zu erhärten.

Ich habe mich bemüht, die Polizisten, die die Untersuchungen gegen die Birmingham Six geführt hatten, zu interviewen. Aber sie verstecken sich hinter einer Mauer des Schweigens.

"Verstehen Sie den Begriff sub judice?" fragte mich die Sprecherin des Polizeipräsidiums in Birmingham herablassend. Ich verstand ihn wohl. Er bedeutet, daß man in ein schwebendes Verfahren nicht eingreifen darf. Der Fall gegen die sechs wurde freilich schon vor fünfzehn Jahren abgeschlossen. Sub judice heißt für die Polizei: Laß mich mit lästigen Fragen in Ruhe.

Die Apologeten des englischen Rechtssystems sehen in der Tatsache, daß die Fälle der Rechtsbeugung nun doch aufgerollt werden und wurden, einen Sieg der Justiz. Daß es soweit kam, ist allerdings nicht den Staatsorganen, sondern alleine der unermüdlichen Aufopferung einer Handvoll Leute zuzuschreiben. Eine davon ist Sarah Clarke. Sie ist eine La-Sainte-Union-Krankenschwester. Eine kleine, fast unscheinbare Person. Geradezu schüchtern, verunsichert kam sie mir vor, als sie mich in ihr bescheidenes, ordentliches, rechtwinkliges Wohnzimmer führte. Sie ist 69 Jahre alt. Sie machte Kaffee und tischte mir eine halbe Mahlzeit dazu auf, Toast und Kekse und Hörnchen. Irische Gastlichkeit. Vor dem Fenster raschelte das frühherbstliche Laub in der Morgensonne, und aus der Ferne hörte man ganz leise den Stadtlärm von London. Man verfällt so leicht der Vorstellung, ging es mir durch den Kopf, das Leben sei sicher und geborgen. Neben dem Regal hing ein starker, aufwühlender Holzschnitt von einem Häftling in Long Kesh. "Für Sister Sarah von ihren Freunden im Block", stand darunter.

Schwester Sarah ist eine Mutter Sarah. Liebevoll um Kleinigkeiten bemüht – aber eine Kämpfernatur wie eine Löwin. Unsicher ist sie nur, ob einem der Kaffee recht ist, nicht zu stark oder stark genug. Als sie sich vor zwanzig Jahren daranmachte, für die Rechte irischer Häftlinge in englischen Gefängnissen zu kämpfen, eckte sie überall an. Bei der Kirche, beim Innenministerium, bei der Special Branch, dem Sicherheitsdienst, selbst bei den meisten Iren in England, "die nichts als ihr eigenes Fortkommen im Kopf hatten". Manchmal, sagt sie, sei sie sich wie eine hängengebliebene Schallplatte vorgekommen. "Ich wußte von Anfang an, daß die Maguires und die Guildford Four und die Birmingham Six unschuldig waren. Die echten IRA-Leute sind völlig andere Typen. Stolz, aufrecht, selbstbekennend.

Die Unschuldigen tragen viel härter an der Haft als die IRA-Kämpfer, die ein Ziel vor Augen haben. Die Freilassung der sechs von Birmingham scheint nun unmittelbar bevorzustehen. "Das Leiden", behauptet Sister Sarah, "hat bessere Männer aus ihnen gemacht. Sie sind jetzt aus einem anderen Holz geschnitzt als vor fünfzehn Jahren."

Am liebsten würde sie nun ihre Koffer packen und zurück nach Irland ziehen. Aber vier andere unschuldige Iren säßen immer noch ein, sagt sie, zwei davon "schwierige und dubiose Fälle". Und sie will weiter für die Repatriierung der 32 gegenwärtig in England einsitzenden IRA-Kämpfer in nordirische Gefängnisse kämpfen, damit sie in der Nähe ihrer Familien sind.

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Ein Ende der Verfehlungen des englischen Rechtssystems ist noch nicht in Sicht. Die Lage der Iren hat sich in den achtziger Jahren zwar erheblich verbessert. Ein neues Gesetz – der Police and Criminal Evidence Act von 1984 – schaffte einen Rahmen für mehr Rechtssicherheit. Doch heute leiden vor allem die schwarzen Ghettos von London unter polizeilichen Willkürakten, die von Gerichten immer wieder mit stupender Voreingenommenheit sanktioniert werden. Sei 1985 sitzen Winston Silcott, Mark Braithwaite und Engin Raghip für den Mord an dem Polizisten Blakelock während der Broadwater-Farm-Unruhen ein. Die Beweislast gegen die "Tottenham-Three" war derart löchrig und unausgegoren, daß sich amnesty international diesmal sofort für eine Wiedereröffnung des Verfahrens stark machte – sehr zum Unwillen des Innenministeriums.

Manchmal geht die staatliche Willkür selbst den konservativen Richtern zu weit. Am 11. Oktober 1985 nahm die Polizei einen dreizehnjährigen Schwarzen unter Einbruchsverdacht fest. Er wurde 52 Stunden ohne Rechtsbeistand festgehalten. Während der Verhöre trug er nur eine Unterhose und eine über die Schultern geschlagene Decke. Er brach weinend zusammen und machte ein umfassendes "Geständnis". Es brachte ihm eine Anklage wegen Mord und Anstiftung zum Aufruhr ein. Der Richter in Old Bailey nannte die Geständnisse absurd. "Merkten die Beamten denn nicht", wunderte er sich, "daß der Junge immer mehr in eine Phantasiewelt abglitt?"