Am 1. März 1956 wurde ich ein ‚wichtiger Mann‘", läßt Stefanie Viereck ihren Vater sagen, als er, der Bankier Alwin Münchmeyer, zum Präses der Hamburger Handelskammer gewählt wurde. Münchmeyer mußte eine Antrittsrede halten: "Ich sprach von meinem Vater, der auch im Alter von 48 Jahren Präses geworden war, und von der Pflicht, die die Tradition mir auferlegt hatte." So heißt es in dem Buch "Hinter weißen Fassaden", in dem Stefanie Viereck, seine jüngste Tochter, das Leben ihres Vaters beschreibt. "Das sei alles etwas sehr Schönes", fuhr Münchmeyer in seiner Rede fort, "und um meine Freude an Arbeit und Ämtern zu bekräftigen, bemühte ich Rabindranath Tagore, den ich später noch oft zitiert habe: ‚Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben ist Pflicht. Ich tat meine Pflicht und sah, Pflicht ist Freude.‘"

Alwin Münchmeyer, der Hamburger Bankier und Kaufmann mit dem hohen Kragen und der Figur eines Gardeoffiziers, war in den Aufbaujahren der Bundesrepublik ein Mann von großem Einfluß. Als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages von 1958 bis 1962, als Mitglied von Aufsichtsräten, als Beirat hier und Ratgeber dort machte er den Regierenden in Bonn immer wieder den Standpunkt der Wirtschaft deutlich. Der in letzter Minute verhinderte Zusammenbruch der Bank Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co, deren Beiratsvorsitzender er war, traf ihn tief. Am 24. September starb er im Alter von 82 Jahren auf dem Luusbarg, dem Hamburger Familiensitz der Münchmeyers. D. Z.