Die in den vergangenen Tagen zeitweilig freundliche Tendenz am deutschen Aktienmarkt läßt den Schluß zu, daß er nach dem kräftigen Rückschlag im dritten Quartal 1990 nunmehr eine Basis gefunden hat, die wieder Spielraum für Kurssteigerungen läßt.

Wenn die Anleger dennoch Engagements größeren Umfangs scheuen, dann wegen der anhaltenden Kriegsgefahr im Persischen Golf. Denn kommt es dort zu einem Krieg, muß an allen Börsenplätzen der Welt zunächst mit einem weiteren Kursrutsch gerechnet werden. Zumal dann auch der Ölpreis weiter nach oben schnellen wird.

Vor diesem Hintergrund wird es verständlich, wenn zwischenzeitliche Kurssteigerungen benutzt werden, um Gewinne zu realisieren. Vor langfristigen Dispositionen scheuen sowohl die institutionellen Investoren als auch die private Bankenkundschaft noch zurück. Hingegen trafen in den letzten Tagen erstmals wieder Kaufaufträge aus dem Ausland ein. Sogar aus Japan wurden Käufe deutscher Aktien registriert. Das erklärt auch das wieder langsam wachsende Umsatzvolumen.

Eine positive Entwicklung läßt sich nicht nur auf den deutschen Märkten feststellen. Vorreiter einer festen Tendenz waren um die Wochenwende vor allem englische Aktien, die von dem Eintritt Großbritanniens in die Europäische Währungsgemeinschaft (EWS) zumindest stimmungsmäßig profitiert haben, vor allem aber auch von den Aussichten auf sinkende Zinsen auf der Insel.

Auf dem deutschen Rentenmarkt hat sich der Bund nun endlich zu einem neunprozentigen Nominalzins durchgerungen. Die Rendite seiner neuen zehnjährigen Anleihe bleibt mit 8,91 Prozent zwar offiziell darunter, aber Großanleger wie Versicherungen, denen Vorzugskonditionen eingeräumt werden, können mit glatten neun Prozent kalkulieren – ein Satz, der für sie reizvoll erscheint.

Nach einigem Zögern tritt nun auch die Commerzbank wieder an den Kapitalmarkt heran. Über die Ausgabe von Genußscheinen mit Wandlungsrecht auf Aktien (Wandelgenüsse) will sie fünfhundert Millionen Mark aufnehmen. Die neuen Papiere werden den Aktionären im Wege eines Bezugsrechtes angeboten. Die Plazierung sollte kaum Schwierigkeiten bereiten, die Verzinsung richtet sich nach der Commerzbank-Dividende. Jeder Genußschein im Nominalwert von 200 Mark berechtigt unter Zuzahlung von 50 Mark zum Erwerb einer Commerzbank-Aktie.

K. W.