Der italienische Autobauer und der französische Elektrokonzern gehen eine spektakuläre Allianz ein

Die Stoßrichtung der Allianz hatten Analysten in den Bankhäusern von Paris und Mailand sofort erkannt: gegen die Deutschen. Wenn der italienische Autobauer Fiat und der französische Elektronikkonzern Compagnie Generale d’Electricité (CGE) so kurz nach der deutsch-deutschen Vereinigung zusammenrücken, dann nur, um Daimler-Benz Paroli zu bieten.

Doch die rasche Deutung war vorschnell. Der neuerliche Pakt zwischen zwei europäischen Wirtschaftskolossen ist eher eine weitere wichtige Episode aus der Serie "Bodybuildung für den Binnenmarkt" – zumindest laut Auskunft der Beteiligten. "Das Denken in nationalen Dimensionen macht meinen Sinn mehr", begründet etwa Cesare Romiti, Fiats Nummer zwei, die Kooperation.

Um für den Start des gemeinsamen europäischen Marktes am 1. Januar 1993 fit zu sein, tauschen nun die Industrie-Giganten Konzernteile und Aktienpakete. Die CGE bekommt von Fiat die Mehrheit an dessen Telekommunikations-Tochter Telettra und dem Eisenbahnableger Ferroviaria. Die Turiner erhalten von den Parisern im Gegenzug den Großteil des Kapitals an ihrer Batteriefiliale Compagnie Européenne d’Accumulateurs (CEAC). Abgerundet wird das in einem Jahr ausgehandelte Tauschgeschäft durch eine gegenseitige Beteiligung. Die CGE wird fortan drei Prozent des Fiat-Kapitals halten und damit zweitgrößter Aktionär nach der Familie Agnelli sein. Der Autobauer steigt dafür bei der CGE mit sechs Prozent ein, was ihn auch dort zu einem der größten Teilhaber macht.

Heißbegehrte Kunden

Obwohl die CGE bei dem Deal unter dem Strich rund 700 Millionen Mark zuzahlt, hat sich das Geben und Nehmen gerade für das französische Unternehmen gelohnt. Mit der Kooperation setzen nämlich die Franzosen ihre Strategie konsequent fort, vor allem in zwei Branchen weltweit ganz vorne mitzumischen: in der Telekommunikation und bei den Eisenbahnen.

Schon vorher gehörte die CGE mit ihrem Ableger Alcatel in der Wachstumsbranche Fernmeldewesen zur Spitzengruppe. Durch die Aquisitionen kann sie es jetzt mit den amerikanischen und japanischen Telekommunikations-Giganten aufnehmen: Bei Übertragungskabeln rückt das Unternehmen hinter AT&T an die zweite Stelle, bei Richtfunkanlagen zieht es mit NEC gleich.