Der jüngste Bericht des Bundesrechnungshofes ist zwar schon vier Wochen alt, aber wenn die ersten Schlagzeilen über die größten Schlampereien der Bonner Ministerien verraucht sind, lohnt sich ein Blick in das "Kleingedruckte" erst recht. Manche Feinheiten und Gemeinheiten sind nämlich nur zwischen den Zeilen zu finden.

Aus einer Randbemerkung über die Deutsche Bundespost läßt sich beispielsweise entziffern, daß der Rechnungshofpräsident Heinz Günter Zavelberg den Postminister Christian Schwarz-Schilling im kommenden Jahr besonders streng unter die Lupe nehmen dürfte. Die Bemerkung lautet: "Der Bundesrechnungshof sieht zum gegenwärtigen Zeitpunkt von einer Bewertung der Maßnahmen ab", die von der Post im Zuge ihrer Neustrukturierung getroffen wurden.

Bei den "gegenwärtig" nicht bewerteten Maßnahmen handelt es sich um die wunderliche Stellenvermehrung bei den obersten Dienstbehörden der Telekom, dem Fernmeldeunternehmen der Deutschen Bundespost; 936 neue Stellen hat es dort gegeben. Das kostet fürs erste 100 Millionen Mark pro Jahr, hat der Rechnungshof konstatiert. Obwohl er diese kostenträchtige Personalaufblähung nicht kommentiert hat, kann sich der Leser dennoch zusammenreimen, daß der Rechnungshof nichts Gutes darüber denkt.

Eine Tabelle zum Beispiel belegt auf den ersten Blick, daß die Stellenausweitung in den oberen Gehaltsregionen besonders üppig ausgefallen ist. So hat sich die Anzahl der Ministerialräte, Stütze jeder Bürokratie und nun offenbar auch der Telekom, um 114,9 Prozent erhöht. Die Tabelle weist aus, daß die noch höheren Ränge sogar um 289,9 Prozent stiegen. Daß dieser enorme Personalzuwachs in den oberen Regionen zu einer gewissen Nachlässigkeit beim "Fußvolk" geführt hat, scheint nicht ausgeschlossen. Denn das Stellenplus auf der untersten Arbeitsebene fiel mit 35 Prozent verhältnismäßig gering aus.

Dem Telekom-Kunden würde es sicher mehr nützen, wenn die Fernmeldeämter besser besetzt würden. So wurde in Bonn kürzlich einem Teilnehmer eine

Rechnung für diveise Leistungen (unter anderen ein neues Telephon) präsentiert, die der Teilnehmer zwar beantragt hatte, auf die er aber seit Wochen vergeblich wartet. Zahlen sollte er gleichwohl Immerhin: Drei Wochen nacl sofortiger Reklamation der Rechnung kam wenigstens eine Entschuldigung mit dem Versprechen der Besserung.

Die relativ neuen Mig-Flugzeuge der ehemaligen Nationalen Volksarmee (NVA) will Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg erst einmal für den Einsatz in unseren neuen "Ostprovinzen" behalten, was er mit dem übrigen Wehrmaterial machen will und kann, ist noch immer nicht ganz geklärt. Was tun? Schließlich muß nicht gleich alles verschrottet werden, zumal nach gegenwärtigem Stand der Wiener Abrüstungsverhandlungen nicht alles abgerüstet werden muß. Andererseits lassen sich die NVA-Geräte auch schlecht in das westdeutsche und in das Nato-Arsenal integrieren.