Die Welt hält den Atem an, mit Recht. Der Golfkrieg wird ein Ereignis werden, völlig anders als jene dürftigen Veranstaltungen, wie sie die Völker der ja in vieler Hinsicht entwicklungsbedürftigen Dritten Welt in der Vergangenheit durchzuführen pflegten. Wir erinnern uns mit Schaudern: Kriege ohne Taktik und Journalisten inszeniert, mit Fanatismus statt Disziplin ausgefochten, ein bloßes Abschlachten – barbarisch eben (während das Pentagon umsichtig, ja vorsichtig, in diesen Tagen schon rund 30 000 tote GIs vorausrechnet).

Daß die bevorstehende Schlacht so ganz anders ausfallen wird, ist natürlich das Verdienst der westlichen Regierungen und ihrer Wirtschaftsfirmen, die – gute ritterliche Tradition – den Feind mit identischen Waffen ausrüsteten und ihn – interessante Variation des sportlichen Handicaps – im Gebrauch derselben durch ihre eigenen Militärberater bis auf den heutigen Tag korrekt unterweisen. Da stehen sie nun: gut 500 000 Leute hier, knapp 500 000 dort. Fast eine Million Männer, auch ein paar Frauen, die längst Helden sein könnten, müßten sie nicht das Minuett der Diplomatie, sogenannte Friedensbemühungen, abwarten oder, wie die International Herald Tribune formulierte, jene notwendige Verzögerung, bis die Wüste eine auch für westliche Kombattanten günstige Temperatur angenommen hat: bis Mitte November.

Wochen des Wartens.

Das Warten wäre unerträglich, gäbe es nicht die Berichte vom "Wetterleuchten des Krieges", Fingerübungen der Kollegen vor Ort, ein Warmlaufen, bevor auch sie ihren großen Auftritt haben: in der Frontberichterstattung. Ein Genre mit Tradition und international verbindlichen Regeln. Kein Artikel – sei er für die FAZ, die Washington Post oder das Hamburger Abendblatt – kommt ohne die folgenden Versatzstücke aus:

Der Einstieg: (szenisch, unvermeidlich dramatisch, aber flockig) "Es geht so schnell, daß ein ungeübtes Auge kaum folgen kann. Mit lautem Knall ... unter ohrenbetäubendem Zischen ... ein dunkler Rauchstrich ... ein Schlenker nach links, ein Schlenker nach rechts, dann ein Blitz ... ‚Treffer‘, brüllt der Richtkanonier, undsoweiter: Leichtfüßig springt die Besatzung aus dem Flugabwehrpanzer."

Zusammenfassung der Stimmungslage (immer knapp): "Die Stimmung ist toll. Die Truppen sind ganz heiß. Sie machen ihren Job prima. Es gibt keinen nennenswerten Grad der Frustration."

Blick auf die Technik: (ängstigt den Gegner, sofern er die internationale Presse liest): "Das LFK hat eine Reichweite von 6000 Metern, das reicht gerade für einen Flug von 13 Sekunden. Die nächste Generation soll 9000 Meter weit fliegen..." Beliebte Variante: Soldat mit Lieblingswaffe – ",Diese Hubschrauber haben eine lange und lebhafte Geschichte.’ Hauptmann Vicky Calhoun deutet auf einen Shinouk-Transporthubschrauber: ‚Auch der war schon in Vietnam ...‘"