Geheime Verschlußsache 0-013059 Ministerium des Inneren, Kriminalpolizei, Abteilung 1: "Grundlagen zur inoffiziellen und vertraulichen Zusammenarbeit mit Bürgern der DDR". Ein Papier, das eigentlich in die Bewerbungsunterlagen gehörte, hätte sich die Kriminalpolizei der DDR für den Polizeidienst West neu zu bewerben. Denn es geht um besondere Qualifikationen: um den "Einsatz spezieller Mittel und Methoden". Im Zentrum steht der IKM, der "Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter".

Was bis heute nicht einmal die West-Ermittler über ihre neuen Ost-Kollegen wissen: Auch die Kriminalpolizei baute in der Vergangenheit "unter den Bedingungen einer zunehmenden Klassenauseinandersetzung" ihr eigenes, ausgeklügeltes Bespitzelungsnetz auf. Zuständig war die Abteilung 1, im steten Einsatz "zur Erfüllung des Klassenauftrags", im Kampf gegen Verbrechen und Subversion.

Modell stand, unverwechselbar, Erich Mielkes Ministerium der Angst. Die Strukturen waren Kopien, die Begriffe nur leicht verändert. Auch bei der Volkspolizei galten als eherne Prinzipien "Klassenwachsamkeit, Geheimhaltung und Konspiration".

Der IKM, durch den Kripo-Offizier vor "Dekonspiration" zu schützen, erhielt einen Decknamen. Man traf ihn in konspirativen Wohnungen oder bei einem TQ, einem "Inhaber von Trefferquartieren". Leistung mußte sich schon im Stasi-Staat lohnen. Die Arbeit des IKM, so hieß es im Befehl, sei "ideell und materiell zu würdigen".

Wo die Volkskripo spitzelte? Laut Einsatzbefehl überall: "In Staats-, Wirtschafts- oder Kontrollorganen, in Kombinaten und Betrieben sowie gesellschaftlichen Organisationen". Auch an "Konzentrationspunkten", in "Partywohnungen" und auf den "Transitwegen", wo immer Menschen zusammenkommen. Ausgenommen war nur die Partei. Hier endete laut Befehl die geheime Welt der Polizei.

Wie bei der Stasi variierte je nach Einsatzgebiet und gesellschaftlicher Position das Amtskürzel des "Inoffiziellen Kriminalpolizeilichen Mitarbeiters". Da gab es den IKMO für operative Aufgaben, den IKMS für "konpirative Spezialaufgaben" oder den IKMA für "besondere Aufgaben". Dazu gesellte sich die KK, die Kriminalpolizeiliche Kontaktperson. Damit die Polizeispitzel nicht führungslos blieben, benötigte man den LIKM, den "Leitenden Inoffiziellen Kriminalpolizeilichen Mitarbeiter".

Das Aufgabenfeld der inoffiziellen Brigaden war groß: die "Beobachtung operativ interessanter Personen" und "konspirative Lageaufklärung insbesondere während politischer Höhepunkte und bedeutsamer Veranstaltungen". Ein Spitzel durfte sich nicht auf die Sammlung von einfachen Informationen beschränken. Die Weisung forderte mehr: "Beschaffen persönlicher und sachlicher Beweismittel".