E rfolgversprechend hatte sich das Jahr 1990 für die vornehmlich in Deutschland engagierten Investmentfonds angelassen: Als Folge der DDR-Euphorie brachte das erste Quartal noch deutliche Gewinne.

Inzwischen sieht das Bild völlig anders aus: Die Ereignisse im Mittleren Osten und Angst vor einer hohen Staatsverschuldung zur Finanzierung der Einheit ließen die Aktienkurse seit Anfang August in einen Baisse-Strudel geraten, aus dem sie sich bis heute nicht mehr erholen konnten. Der Dax-Index – der die Kursbewegung der dreißig wichtigsten deutschen Standardwerte widerspiegelt – fiel allein im dritten Quartal um 29 Prozent. Die nahezu schon fast erreichte Marke von 21 000 Indexpunkten ist damit wieder in weite Ferne gerückt.

So verwundert es nicht, daß die Investmentfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland ganz erhebliche Verluste zu verzeichnen hatten. Ein Lob muß man den Fondsmanagern freilich zollen: Alle Fonds schnitten im dritten Quartal 1990 besser ab als der Dax-Index, wenngleich der durchschnittliche Verlust von 21,7 Prozent (bei einer Bandbreite zwischen 16,4 und 26,1 Prozent) nicht gerade überzeugen kann. Denn immerhin verloren Anleger mit den in Deutschland investierenden Fonds während der vergangenen drei Monate mehr als zwei Milliarden Mark – eine stolze Summe.

Nicht gar so trist stellen sich die Zahlen im Langzeit-Vergleich dar: Seit dem 30. Dezember 1987 konnten immerhin vierzehn der siebzehn in der ZEIT/Südprojekt-Analyse berücksichtigten deutschen Aktienfonds den Index schlagen. Lediglich der vornehmlich von Finanzvermittlern angebotene, einstige Musterfonds FT-Frankfurt-Effekten-Fonds sowie der Oppenheim-Privat und – dies mag manchen Anleger besonders enttäuschen – der relativ große Adiverba schnitten seit Januar 1988 schlechter ab als der Index.

Besser als das Sparbuch waren jedoch auch sie. Während die meisten Banken und Sparkassen heute nach wie vor lediglich 2,5 bis 3,5 Prozent für Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bezahlen, brachte der auf Aktien der Finanzbranche spezialisierte Adiverba seinen Anteilseignern immerhin eine jährliche Durchschnittsverzinsung von 8,3 Prozent.

Fast den dreifachen Ertrag erzielten freilich die Manager des SMH-Special-Fonds I, der seine Spitzenposition in der ZEIT/Südprojekt-Analyse mit nur sechzehn Mark Vorsprung gegenüber dem DIT-Spezial der Desdner Bank gerade noch halten konnte: 22,7 Prozent durchschnittliche Jahresverzinsung weist die Analyse aus. Aus einer Anlagesumme von 10 000 Mark sind mittlerweile 17 551,92 Mark geworden. Dies waren freilich auch schon einmal deutlich mehr: In der Spitze hatte der Fonds immerhin einen Kapitalstand von 22 868 Mark ausgewiesen. Die 18,7 Prozent Verlust im dritten Quartal stutzten den Gewinn wieder deutlich zurecht.

Nicht viel besser erging es in der Vergangenheit auch dem zweitplazierten DIT-Spezial, der sich mit einem Quartalsverlust von "nur" 16,4 Prozent zwar noch ganz gut halten konnte, dessen Kapital von derzeit 17 535 Mark jedoch schon wieder sehr weit vom Spitzenergebnis (22 993 Mark) entfernt ist.