Immer wieder haben westdeutsche Politiker gefordert, auch die Polen müßten sich für vergangenes Unrecht entschuldigen – obwohl polnische Politiker dazu schon wiederholt Stellung bezogen hatten. Am vorigen Wochenende fand in Berlin ein internationales Symposium statt, zu dem Annemarie Renger, die Vizepräsidentin des Bundestages, eingeladen hatte. Der polnische Außenminister Krzysztof Skubiszewski sagte in seiner Rede:

"Die schweren Verbrechen und Leiden aus der Kriegszeit werden zur Vergangenheit, besonders in den Augen der jungen Generationen. Diese Schreckensjahre, -tage und -stunden müssen jedoch im Gedächtnis als Mahnung behalten werden, und nicht zur Quelle von Haß und Vorurteilen werden.

Das Umdenken im deutsch-polnischen Verhältnis ist durch die kühnen Initiativen der Kirchen in beiden Staaten herbeigeführt worden. Die Worte von polnischen katholischen Bischöfen über das gegenseitige Schuldvergeben waren vor 25 Jahren im Namen des polnischen Volkes ausgesprochen. Damals war die Regierung für mein Volk nicht repräsentativ, und die katholische Kirche in Polen sprach oft für die ganze Nation, als das Volk die Souveränität verlor. Die Worte der Bischöfe behalten immer ihre Geltung, sie stellen einen Bestandteil unserer Politik und unserer politischen Philosophie dar. Ich habe ein tiefes Verständnis für die Leiden jener Deutschen, die infolge der Kriegshandlungen, Vertreibung oder Aussiedlung ihre Heimat verloren haben. Diese Deutschen haben viel Leid und Ungerechtigkeit erfahren.

Dies gehört heute aber der Vergangenheit an. Die Polen und die Deutschen brauchen Frieden im Verstand und in der Seele. Wir müssen uns der Zukunft widmen. Die heutige Aufgabe besteht für uns in der Gestaltung eines friedlichen Zusammenlebens und Zusammenwirkens."