Wohlig räkelt sich der Urlauber in seinem Bett. Endlich Ferien. Wunderbar wird es sein. Er wird tief und fest schlafen bis in den späten Morgen hinein. Nichts wird hier im Hotel seine wohlverdiente Ruhe stören, weder ein Telephonanruf zu unangemessener Stunde noch mitternächtliches Poltern im Treppenhaus, weder Türen, die krachend ins Schloß fallen, noch ein Briefträger, der in aller Herrgottsfrüh’ auf die Klingel drückt.

Soweit die Theorie. Denn kaum hat unser Urlauber das Licht gelöscht, hemmt ihn ein ungewohntes Geräusch am Einschlafen: ein helles, energisches Sirren. Doch keine Fliege, keine Biene, keine Wespe läßt sich entdecken. Nach einer gründlichen Inspektion des Zimmers steht fest: Es ist die Minibar, die vor sich hinsummt.

Mit dieser Gewißheit erleichtert wieder in die Kissen gesunken, stört ein sonderbares Rauschen, das den Raum erfüllt. Ein Blick zum Fenster: kein Baum, der sich im Winde wiegt. Licht an und kurzer Kontrollgang: Das Radio ist ausgeschaltet, der Fernseher ebenso. Das Geräusch bleibt. Rundumerkundung zuletzt auch im Badezimmer. Gottlob, es hat alles seinen irdischen Grund: Die Entlüftungsanlage tost noch immer, obwohl schon vor einer Viertelstunde der Schalter ausgeknipst wurde.

Ermattet geht es wieder ab ins Bett. Nun wird nichts mehr den Schlaf stören. Da dringen grelle Schreie ans Ohr. Grabesruhe. Leises Wispern. Wieder schrille Schreie. Das ist kein Traum, kein Hirngespinst. Was passiert da? Bei diesem Lärm kann unser Urlauber ohnehin nicht schlafen, zur Ablenkung dreht er den Fernseher wieder an. Ein Seufzer der Erleichterung. Kein Mord im Nachbarzimmer nur der TV-Krimi.

Erschöpft sinkt der Urlauber zurück. Plötzlich hebt ein Brausen an, wild wie ein Wasserfall. Die Dusche war doch abgestellt? Ein Wasserrohrbruch? Eine Feuerwehrübung zur Mitternacht? Langes Grübeln läßt nur einen einzigen Schluß zu: Irgendwo muß jemand eine nächtliche Säuberungsorgie feiern.

Endlich, ein sanfter erster Schlummer, doch da klimpert und klirrt es, als hielte man nebenan einen Polterabend ab. Es scheppert und klappert. Übt ein Artist das Jonglieren mit 35 Tellern? Langsam dämmert es dem Urlauber: Sein Zimmer verfügt über einen ausgezeichneten akustischen Kontakt zur Hotelküche.

Das beständige Klirren lullt ihn endlich ein, da schreckt ihn kurz darauf ein gewaltiges Dröhnen hoch. Es kracht und rumst. Bricht das Haus zusammen? Sind Gespenster am Werk? Verstört wankt der Urlauber zum Fenster, um den Grund der neuerlichen Unruhe zu erforschen. Die Poltergeister sind real: Müllmänner machen sich hinter dem Hotel zu schaffen.