Weil plötzlich Alberto Moravia starb, war in der letzten ZEIT kein Platz mehr für diese Kolumne. So brandaktuell sie letzte Woche war, so überflüssig ist sie heute. Ich kann Ihnen also keinen Vorwurf machen, wenn Sie sie nicht lesen. Außerdem ist inzwischen Michel Leiris gestorben. H. R.

Ich habe Grippe. Grippe ist wie Liebe, nur nicht so unangenehm. Wenn sie einen erwischt, glaubt man, man wäre der Erste, und es wäre das erstemal, und sie bringe einen um. Junge Leute greifen dann zum Synthi, ältere schreiben eine Kolumne.

Paul, ein Schweizer, sagt, er sei so calvinistisch erzogen, daß er sich noch nie gelangweilt habe oder krank gewesen sei.

"Noch nie gelangweilt?" habe ich gefragt. "Schon mal Proust versucht?"

"Zweckchlos."

Langweilen kann ich mich eigentlich auch nicht... Doch: Wenn ein Ehepaar vom Camping-Urlaub in den Cevennen erzählt... Mit den Kindern... Oh, doch ... Aber dann haben sie beide so einen süßen Sprachfehler, der eine den einen, die andere den anderen; da wird es dann doch wieder spannend. Man fragt sich, was die Kinder für einen haben. Aber die Kinder sind im Bett, lassen es sich mit dem finnischen Au-pair-Mädchen Wohlsein und lernen die Wörter kippis und paska. Das können sie später mal verwenden, und es läßt sich nichts dagegen sagen.

Wie lernen sich aber solche Leute kennen? "Mein Fräulein, Sie sind so atemberaubend langweilig; ich möchte mich mit Ihnen vermehren."