Von Bartholomäus Grill

Wos is erlaubt, wos is verboten?

In Leipzig war’s as Voik,

in Wackersdorf warn’s Chaoten.

Biermösl Blosn

Wahlkampf und Oktoberfest: In solchen Sauf- und Salbaderzeiten reden die Mächtigen gern und viel vom Souverän. Der Souverän, in Bayern Voik genannt, redet lieber von der Wies’n, vom ermordeten Volksschauspieler Sedlmayr und vom Schwammerlsuchen. Nur die Aufmüpfigen rezitieren den Leipziger Jedermann: "Wir sind das Volk!" Sie meinen: Wenn doch endlich auch einmal im Bayernland die versteinerten Verhältnisse zum Tanzen kämen, jetzt, wo sich die ganze Welt verändert.

Doch es sieht nicht so aus, als ob die 33jährige Alleinherrschaft der CSU am kommenden Wahlsonntag zu Ende ginge. Ganz im Gegenteil: Die jüngste Forsa-Umfrage sieht die Christlich-Sozialen bei 58 Prozent, für Streibl, Waigel & Co. ein Traumergebnis im Zeitalter nach Strauß. Aber derartige Orakel trügen ja zuweilen; deshalb tun die CSU-Granden so, als hätten sie die Demoskopen nicht gehört. Außerdem schmerzt die Watsch’n bei den Kommunalwahlen im Frühjahr – die CSU sackte von 49,1 auf 41,9 Prozent ab – immer noch. Seither hört man aus der Parteizentrale in der Nymphenburger Straße nymphenartige Gesänge, die einem FJS schwerlich über die Lippen gegangen wären.