Schon vor dem 1. November, dem Beginn der Liberalisierung in der Luft, purzelten im inneraustralischen Flugverkehr die Preise. An dauerhaft günstige Tarife will aber noch niemand so recht glauben.

Am 1. November endet für die Inlandsfluglinien Ansett und Australian Airlines offiziell die vierzig Jahre währende Beschaulichkeit eines von der Regierung aufgeteilten Marktes. Ob Tarife, Strecken, Flottengröße oder Fluggerät: Die sogenannte two airline policy der Regierung bestimmte die Regeln des Inlandflugverkehrs. Sie beschränkte die Zahl der landesweit operierenden Fluggesellschaften auf zwei und sicherte die friedliche Koexistenz zwischen einem staatlichen und einem privaten Unternehmen. Der Kunde freilich bezahlte den fehlenden Wettbewerb mit ansehnlichen Flugpreisen.

Doch jetzt soll alles anders werden. Wer das erforderliche Kapital aufbringt und nachweisen kann, daß es mehrheitlich in australischer Hand ist, wer zudem die Gesetze zur Ausbildung des Flugpersonals respektiert und die strengen Sicherheitsbestimmungen einhält, wird künftig seine eigene Fluggesellschaft betreiben dürfen. Vor allem aber: Er darf fliegen, wohin er will, und er kann die Tarife selber bestimmen.

Einiges hat sich jetzt schon verändert. Down under tobt der Preiskampf. Die staatliche Australian Airlines und die private Ansett unterbieten sich mit Sonderpreisen auf den Hauptstrecken zwischen Sydney, Melbourne, Brisbane, Adelaide und Perth: Die Ansett-Gruppe eröffnete den Preiskampf mit zwanzig- bis fünfzigprozentigen Rabatten auf den Hauptverkehrsstrecken. Die Staatslinie Australian Airlines – sie soll nach neuesten Beschlüssen nun zu hundert Prozent privatisiert werden – zog nach und konterte mit superbilligen Nachtflügen, die aus Kostengründen auf Service völlig verzichten. Die beiden Unternehmen versuchen außerdem, mit zielgruppenspezifischen Sonderangeboten frühzeitig Märkte zu besetzen: Sie bieten günstige Wochenendtrips für Pendler oder Familienausflügler. Senioren streichen unter bestimmten Bedingungen Rabatte bis zu sechzig Prozent ein. Fast täglich werden neue Discounts angekündigt.

Auch im Ausland bereiten sich Australian und Ansett auf die Deregulierung vor: So lockt der "Experience Australia Airpass" von Australian Airlines mit Sonderpreisen für fünfzehn Streckenkombinationen. Ein Flugtrip von Sydney über Alice Springs nach Cairns und zurück beispielsweise kostet jetzt 1025 Mark. Der "Explore Australia Airpass" von Ansett gewährt Discounts zwischen dreißig und vierzig Prozent. So kosten die drei Coupons für die Route Sydney-Melbourne-Cairns-Darwin derzeit 950 Mark.

In Australien erwarten Luftfahrtexperten aus Kundensicht nicht ungeteilt Gutes von der seit Jahren diskutierten Liberalisierung. So prognostiziert man Gefahren für die Versorgung der Provinz und eine Konzentration auf die gewinnträchtigen Hauptstrecken.

Die Zahl der möglichen neuen Wettbewerber hat sich bis heute noch nicht herauskristallisiert. Sicher ist bislang nur, daß in diesem Jahr höchstens eine neue Gesellschaft den Flugbetrieb aufnimmt: Compass Airlines. Sie will ab November mit zwei Airbussen fliegen. Compass wirbt schon jetzt damit, alle Tarife von Ansett und Australian prinzipiell um zwanzig Prozent zu unterbieten.