Von Wolfgang Zank

Der Park des Gutes Rathenow im Kreis Ruppin, Mark Brandenburg, war festlich geschmückt. Musik erklang. Etwa 300 Menschen, hauptsächlich Bodenbewerber mit ihren Familien und Bauern aus dem Dorfe, hatten sich zu einer Versammlung eingefunden. Die neue Obrigkeit war durch den brandenburgischen Innenminister Bernhard Bechler, einen ehemaligen Berufsoffizier und Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland, vertreten, außerdem durch den Landrat Jerks. Ebenfalls anwesend waren Repräsentanten der Kreisleitungen von KPD und SPD, Journalisten sowie Pfarrer Müller aus Wusterhausen. An jenem Sonntag Ende September 1945 sollte das zuvor enteignete Gut als eines der ersten im Rahmen der Bodenreform feierlich unter landarmen Bauern, Landarbeitern und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten aufgeteilt werden.