Daß nur eine radikale Roßkur den angeschlagenen Elektromulti Philips aus den Niederlanden wieder fit machen könne, hatte der neue Unternehmens-Chef Jan Ummer schon gleich zu seinem Amtsantritt im Juli dieses Jahres verkündet. Und dazu gehört der Abbau von 10 000 Arbeitsplätzen. Klar wurde schnell, daß die maroden Sparten Mikrochips und Computer gesundschrumpfen, mit Partnern kooperieren oder abgestoßen werden müssen. Nachdem sich Philips jüngst aus dem verlustreichen Geschäft mit den Speicherchips verabschiedet hat, traf es jetzt die deutsche Tochter Philips Kommunikations Industrie, kurz PKI genannt. Rund 900 Arbeitsplätze werden abgebaut, zwei Drittel davon im Computer-Vertrieb. Von den insgesamt 30 000 Arbeitsplätzen bei den deutschen Philips-Unternehmen fielen bisher 1320 dem Sanierungskonzept zum Opfer.

Kam diese Meldung nicht unerwartet, sah eine andere Ankündigung von Philips in der letzten Woche eher nach einer Panikreaktion aus. Kurz vor Ende der Kölner Messe Photokina gab der niederländische Konzern überraschend seinen Kassetten-Standard für die zukunftsträchtigen Digitalrecorder (DAT) bekannt. Der neue Tonträger soll das gleiche Format haben wie die heute üblichen Kompaktkassetten. Allerdings werden die Bänder erst Anfang 1992 zu haben sein.

Branchenkenner nehmen daher auch an, daß Philips mit der überstürzten Ankündigung verhindern will, zuviel Terrain an seine japanischen Konkurrenten zu verlieren. Die machten nämlich mit ihren DAT-Rekordern für den Heimgebrauch auf der Photokina bereits gute Geschäfte: "Da ist eine ungeheure Nachfrage. Die Hi-Fi-Freaks können kaum warten", freut sich Klaus Zimmermann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Sony Deutschland.

Wenn nicht alles täuscht, steht den Verbrauchern somit eine neue ärgerliche Auseinandersetzung um Standards ins Haus: Denn Sony setzt nicht auf die handflächengroße Kompaktkassette, sondern auf halb so große Tonträger, die aber eine doppelt so große Aufnahmekapazität haben. Zudem arbeiten die Japaner mit einem rotierenden Tonkopf, während er bei Philips fest installiert ist.

Bundesmolkeminister wäre mittlerweile kein unpassender Titel für den Chef des Bonner Umweltressorts, Klaus Töpfer. Die 5000 Tonnen strahlenden Molkepulvers lassen den Christdemokraten nicht los. Diesmal ist Töpfer sauer auf die Milchwirtschaftliche Förderungsgemeinschaft mbH Niedersachsen (MFN). Deren Geschäftsführer Karl Osmers kassierte nämlich für seinen Verband und für den mit der wissenschaftlichen Betreuung der Molkeentseuchung im Kernkraftwerk Lingen betrauten Professor Franz Xaver Roiner (Hannover) fünfstellige Lizenzgebühren. Das Geld taucht aber offenbar in keiner der in Bonn vorliegenden Abrechnungen auf.

Zum Wochenanfang bekam Töpfer dann neuen Ärger – nicht zuletzt wegen des ZEIT- Artikels über die Molke ("Lange Halbwertszeit" vom 5. Oktober 1990): Unangemeldet demonstrierten deswegen niedersächsische Bauern mit Transparenten und Kühen vor dem Hannoveraner Landtag "gegen die Molkeschieber". Sie befürchten, "daß in Lingen nicht nur radioaktiv verseuchtes Pulver, sondern auch Geld gewaschen wird". Die Behörden gingen nur oberflächlich dem dringenden Verdacht nach, "daß eine Clique angeblicher Repräsentanten der Milchwirtschaft ihr Schäfchen ins trockene bringen will".

Wenn vier sich streiten, dann hat meist der Kleinste das Nachsehen. Im Gerangel der bundesdeutschen Warenhauskonzerne Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten um eine Beteiligung an den vierzehn, einst staatlichen Centrum-Warenhäusern in der ehemaligen DDR wurde die Düsseldorfer Horten AG von ihren Konkurrenten einfach zur Seite gedrängt – mit nicht eben feinen Mitteln.