Von Gunter Hofmann

Berlin/Bonn, im Oktober

Dem Abgeordneten Gerhard O. Pfeffermann, Jahrgang 1936, katholisch, Ingenieur aus Darmstadt, der dem breiten Mittelfeld der Unionsfraktion angehört, muß man geradezu dankbar dafür sein, daß er ehrlich hinausposaunte, was er ohnehin denkt.

"Durch diese Tür kommt die Volksfront!" rief Pfeffermann, als Abgeordnete der SPD, der Grünen und eben auch der PDS (der vormaligen SED) durch die Mitteltür in den Plenarsaal des Bundestages im Bonner Wasserwerk zurückgingen. Sie wollten eine Empfehlung des Vermittlungsausschusses unterstützen, wonach der Zivildienst zunächst auf 13 Monate gekürzt und demnächst dem 12 Monate langen Grundwehrdienst angeglichen werden soll.

Dieser "Hammelsprung" der Abgeordneten, das Verlassen des Saales und die anschließende Rückkehr durch die Ja-, Nein- oder Enthaltungstür, war angeordnet worden, um die Stimmen genauer zählen zu können, da die Mehrheitsverhältnisse bei zwei Abstimmungen im Saal unklar blieben.

"Von Leuten, die in der Nationalen Front noch vor einem Jahr mit der SED zusammensaßen, lassen wir uns nicht beschimpfen!" gab der Abgeordnete Peter Conradi zurück, Sozialdemokrat aus Stuttgart.

Den Abgeordneten Conradi kann man verstehen, wenn er zu Pfeffermanns Infamie nicht einfach schweigen wollte. Der Vergleich mit der Volksfront wird nicht zum letzten Mal angestellt worden sein, das ist sicher. Symbolwert hat er in jedem Fall, dieser Konflikt, der sich bereits am ersten Arbeitstag des gesamtdeutschen Parlaments abspielte, dem nun auch 144 Abgeordnete der Volkskammer angehören.