Von Anke Kapeis

Es war ja zu erwarten. Da kauft das ZDF die Nachfolge-Serie von Raumschiff Enterprise ein, und wo wird Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert dann plaziert? Im Vorabendprogramm, wo Der Landarzt seine Hausbesuche macht und verirrte Gemeindeschäfchen Wie gut, daß es Maria gibt seufzen.

Beim ZDF hat man augenscheinlich noch nicht begriffen, daß Raumschiff Enterprise nicht irgendeine Science-fiction-Serie ist, sondern ein Phänomen. In den USA haben die U.S.S. Enterprise und ihre Besatzung einen festen Platz in der Mythologie; ihre Fans muß man in Zehntausenden zählen. Sie nennen sich „Trekkies“ – nach dem Originaltitel der Serie, Star Trek – und schafften es mit einer Briefkampagne sogar, daß das erste Space Shuttle der Nasa auf den Namen Enterprise getauft wurde. Auch in Deutschland bildeten sich zwei Fanclubs, obwohl das ZDF die Abenteuer von Captain Kirk, Mister Spöck, Lieutenant Uhura, dem Schiffsarzt „Pille“ und dem Chefingenieur „Scotty“ bei der Erstausstrahlung 1972 ins Jugendprogramm verbannt hatte, versehen mit einer dümmlich blödelnden Synchronisation.

Echte Trekkies diskutieren auf Parties über die politische Aussage der einzelnen Episoden und erörtern das latent homosexuelle Dreiecksverhältnis von Kirk, Spöck und Pille. Angesichts der neuen Star-Trek-Serie haben sie sich in zwei Lager gespalten. Denn in Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert hat eine völlig neue Besatzung die alte Crew abgelöst – Blasphemie für die Hardcore-Trekkies, logische Konsequenz aus der Konzeption der Serie für die liberalen Fans.

Der Expilot Gene Roddenberry entwickelte den Plot der Serie Mitte der sechziger Jahre als Variante des üblichen Musters, in dem feindlichen Außerirdischen mit viel Laserkanonen-Geballere der Garaus gemacht wird. Roddenberry verlegte einfach die Pionier-Trecks der amerikanischen Gründerjahre in „die unendlichen Weiten des Alls“, statt des Wilden Westens erschloß der Sternen-Treck den Wilden Weltraum. Mitten während des Vietnamkrieges und offensichtlich beeinflußt von „Love and Peace“ ließ Roddenberry Captain Kirk und Kumpane im Auftrag der „Föderation“ das Universum durchkreuzen, einer Art intergalaktischen Uno, deren Direktiven Erhaltung des Weltraumfriedens und Nichteinmischung in fremde Zivilisationen waren.

Autoren wie Robert Bloch – bekannt durch „Psycho“ – entwickelten aus dieser Star-Trek-Grundkonzeption Drehbücher, die den Zeitgeist der Sechziger reflektierten. Captain James T. Kirk ist zwar auf den ersten Blick ein ganz kleinhirniger Muster-Ami, Weltraum-Casanova und draufgängerischer Space-Cowboy, doch muß er sich ständig mit Mister Spöck auseinandersetzen, dem reinen Vernunftwesen, dem alle Gefühle fremd sind, und auch mit Doktor „Pille“ McCoy, dem Vertreter humanistisch-pazifistischer Werte. Sämtliche Themen der Zeit lassen sich wiederfinden. In Folge 25, „Falsche Paradiese“, geht Spöck sogar auf einen Drogentrip und hängt sich verzückt kopfüber an einen Baum. Manche Folgen gerieten zu knallbunten psychedelischen Trips.

Am 8. September 1966 hatte NBC mit der Ausstrahlung von Star Trek begonnen und schon nach der ersten Saison an eine Absetzung gedacht, weil die Einschaltquoten nicht überzeugten. 1969, nach achtzig Folgen, war dann wirklich Schluß. Erst ständige Wiederholungen auf kleinen Privatkanälen machten die Serie enorm populär. Immer wieder wurde eine Fortsetzung gefordert.