Von Brian Beedham

LONDON. – Allzuoft wird davon ausgegangen, daß die Golfkrise bereits ein wichtiges Opfer gefordert hat: Die Hoffnung auf eine Friedenslösung zwischen Israel und den Palästinensern sei praktisch erloschen. Aber diese Annahme ist falsch. Denn vorausgesetzt, die Krise am Golf endet richtig, könnte damit die Grundlage für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern gelegt werden.

Bisher war es im höchsten Grade unwahrscheinlich, daß der frühere Versuch der Bush-Administration, Israel und die Palästinenser an einen Tisch zu bringen, je Erfolg haben könne. Denn er hatte nie Aussicht, den entscheidenden Test für einen politisch praktikablen Kompromiß zu bestehen.

Dieser Test besteht darin, daß eine solide Mehrheit der Israelis bereit sein muß, Israels Grenzen auf den ungfähren Verlauf von vor 1967 zurückzunehmen, und daß eine solide Mehrheit der Palästinenser das Mini-Palästina, das auf diese Weise entstünde, als abschließende Lösung akzeptieren muß. Bis heute sind keine dieser beiden Voraussetzungen erfüllt.

Die Israelis, die an der West-Bank und dem Gaza-Streifen aus religiösen und historischen Gründen festhalten wollen, sind zwar nur eine Minderheit im Lande. Aber sie werden nachhaltig durch jene unterstützt, die überzeugt davon sind, daß ein kleineres Israel zu schwach sei, um sich der Forderungen zu erwehren, die die Araber anschließend stellen würden. Die Palästinenser, die die Rückgabe von ganz Palästina verlangen, sind möglicherweise ebenfalls nur eine Minderheit. Aber auch sie werden von jenen bestärkt, die annehmen, daß die Israelis nie zu einem fairen Kompromiß bereit sein werden.

Sollte Saddam Hussein die Konfrontation am Golf ganz oder auch nur teilweise gewinnen, wird diese aussichtslose Situation verewigt. Diejenigen Palästinenser, die Israel von der Landkarte auslöschen wollen, würden dann auf die Unterstützung durch den neuen Anführer des arabischen Nationalismus bauen. Und in Israel wird die Koalition der Rückzugsgegner argumentieren: Da seht ihr, wie recht wir hatten. Die letzte Chance für einen palästinensisch-israelischen Kompromiß wäre damit endgültig vertan.

Wenn Saddam Hussein jedoch geschlagen wird, eröffnen sich völlig neue Perspektiven.