Österreichs neue Regierung wird wahrscheinlich die alte sein. Nach den Parlamentswahlen am vorigen Wochenende, aus denen Bundeskanzler Franz Vranitzky überraschend als strahlender Sieger hervorging, steht einer Wiederauflage der Großen Koalition zwischen der Sozialistischen Partei (SPÖ) und der konservativen Osterreichischen Volkspartei (ÖVP) nicht viel im Wege.

Entgegen allen Prognosen gewann die von zahlreichen Skandalen erschütterte SPÖ rund drei Prozent der Stimmen hinzu und errang damit 81 von 180 Mandaten. Der als integer geltende Vranitzky, hinter dessen Rücken sich die Partei ganz klein machte, profitierte vom Kanzlerbonus.

Spätestens bis Weihnachten soll das neue Regierungsbündnis stehen, kündigte Vranitzky nach Beginn der Verhandlungen mit dem schwer angeschlagenen ÖVP-Chef Josef Riegler an. Die ÖVP mußte die schwerste Niederlage in ihrer Geschichte hinnehmen: Sie verlor ein Viertel ihrer Parlamentssitze und wird nur noch mit sechzig statt bisher achtzig Abgeordneten vertreten sein. Der in seinem Selbstbewußtsein gestärkte Kanzler kann deshalb für seine Partei auch Anspruch auf das Außenministerium erheben.

Die ÖVP erwartet eine Zerreißprobe: Die einen plädieren für eine Denkpause in der Opposition, andere sähen die Zukunft der Partei lieber in einer – wohl kaum regierungsfähigen – Koalition mit der rechtsgerichteten Freiheitlichen Partei von Jörg Haider, die ihren Stimmenanteil fast verdoppeln konnte. Im neuen Parlament verfügt die FPÖ über 33 Mandate statt bisher 18. Haider hatte mit Erfolg auf Ausländerfeindlichkeit gesetzt und auf das Establishment der großen Altparteien gezielt.

Enttäuscht ist die vierte politische Kraft im Parlament, die Grünen, die sich starken Zuwachs ausgerechnet hatten: Ihre Mandatszahl stieg nur von acht auf neun, dax