Sind die geplanten gigantischen Teilchenbeschleuniger sinnvoll?

Von Barnabas Thwaites

Wissenschaftliche Wettläufe sind häufig ein teurer Spaß. So melden die Fachblätter fast jeden Monat eine weitere Steigerung des Kostenvoranschlags für den amerikanischen Superconducting Supercollider SSC. Dieses größte Forschungsgerät aller Zeiten soll künftig Protonen aufeinanderjagen – und die US-Physiker wieder aus der zweiten Reihe an die Weltspitze katapultieren. Derzeit liegen die Kostenschätzungen zwischen acht und zwölf Milliarden Dollar. Die gigantische Teilchenschleuder soll in einem unterirdischen Ringtunnel im texanischen Waxahachie aufgebaut werden und einen Umfang von 87 Kilometern haben.

Beinahe bescheiden erscheint demgegenüber das europäische Beschleunigerprojekt eines Large Hadron Collider (LHC) mit geschätzten Kosten von etwa zwei Milliarden Dollar. Die Ausgaben der europäischen Konkurrenz liegen unter anderem deshalb niedriger, weil die Physiker im Genfer Kernforschungszentrum Cern planen, den LHC im bereits bestehenden, 27 Kilometer langen Beschleunigertunnel zu bauen. Die Entscheidung über dieses neue Großprojekt soll 1992 fallen.

Fragwürdige Konkurrenz

SSC und LHC haben im wesentlichen die gleichen Aufgaben. Dennoch sehen viele Forscher im Bau zweier solcher Mammutprojekte keine Geldverschwendung. Eine gewisse Rivalität geben sie zwar zu, spielen deren Bedeutung jedoch herunter. So etwa Bill Marciano vom Brookhaven Laboratory, der die US-Regierung in Sachen SSC beraten hat. Er prophezeit eine Fülle interessanter Experimente, die beide Maschinen zehn Jahre lang auslasten könnten. Doch das ist Zukunftsmusik. Derzeit festigt sich Europas Führungsrolle im Beschleunigerbau eher noch: Anfang November wird die Hadron-Elektron-Ring-Anlage Hera, eine Milliarde Mark schwer und 6,5 Kilometer lang, in Hamburg eröffnet. Der Namensvetter von Zeus’ Gemahlin jagt Elektronen auf Protonen. Wie der Teilchenphysiker Günter Wolf erklärt, soll dieses Riesenmikroskop klären helfen, ob Quarks (aus denen sich Protonen zusammensetzen) und Elektronen wirklich die elementarsten Bausteine sind oder ihrerseits aus noch grundlegenderen Einheiten bestehen.

Ein klassisches Beispiel für europäisch-amerikanische Beschleuniger-Rivalität ist die Geschichte des Beschleunigers Isabelle. 1983 gelang es Physikern bei Cern, die Vermittler-Teilchen der schwachen Kernkraft zu finden, die den radioaktiven Zerfall auslösen. Mit dieser grundlegenden Entdeckung hatten die Europäer die Raison d’être des noch unfertigen Isabelle-Beschleunigers in Brookhaven beseitigt. Die Amerikaner mußten die Bauruine abschreiben.