Gemeinsam mit der Tabakindustrie bekämpft Bonn das von der EG geplante Werbeverbot für Zigaretten

Von Judith Reicherzer

Nachmittagsvorstellung im Kino-Center. Bevor Asterix, der Gallier, auf der Leinwand erscheint, spielen die Zuschauer Werberaten. Landschaft im Sonnenuntergang: "Camel-Trophy", sagt ein Knirps. "Quatsch, Marlboro", erwidert sein Nachbar. Er ist ein Profi; bevor Asterix beginnt, wird er von seinen Freunden zum Ratekönig gekürt, weil er auch noch die Werbestreifen von Lord, Lucky Strike und Gauloises Blondes richtig erkannt hat.

Wenn es nach dem Willen der Brüsseler EG-Kommission geht, ist es mit solchem Ratespaß bald vorbei. Die Eurokraten wollen der Werbung für die Glimmstengel den Flair von Freiheit und Abenteuer nehmen, nicht nur im Kino. Nur noch die Packung dürfe gezeigt werden, fordert die Kommission. Unterstützt wird sie dabei von Nichtraucherinitiativen sowie Verbraucherschützern. Und zehntausend Wissenschaftler, die sich im August zum 15. Internationalen Krebskongreß in Hamburg trafen, propagierten sogar das totale Werbeverbot. Schließlich sterben weltweit achttausend Menschen pro Tag an Lungenkrebs, klagte die internationale Forschertruppe.

Trotz Unterstützung durch die Gesundheitsschützer hat der Brüsseler Plan aber kaum Chancen, verwirklicht zu werden. Denn die Bundesregierung steht auf der Seite der Werbeagenturen und der Zigarettenindustrie. Sie lehnt eine weitere gesetzliche Einschränkung der Tabakwerbung entschieden ab und brachte den ersten Entwurf der EG-Kommission zu Fall. Dabei paßte diese Richtlinie, "betreffend die Presse- und Plakatwerbung für Tabakerzeugnisse", so gut in das Programm "Europa gegen den Krebs", das die EG-Mitgliedstaaten Mitte der achtziger Jahre verabschiedet hatten. Sie hätte der Werbung den Glamour genommen und damit – so hofften die EG-Beamten – die geheimen Verführer ausgebremst.

Regierung unter Druck

Die Vorschläge aus Brüssel wären in der Tat das Aus für den Cowboy und das Kamel. Die Werber müßten sich auf Tatsachen beschränken. Und Warnhinweise wie "Raucher sterben früher" würden unübersehbar die Anzeigen schmücken. Selbst den Trick mit der indirekten Werbung für Zigaretten wollte die Kommission in ihrem ersten Vorschlag verbieten: Gewarnt durch die Praxis in Frankreich, wo die Hersteller nach einem Werbeverbot riesige Plakate für Camel-Strejchhölzer oder Marlboro-Feuerzeuge entworfen hatten, sollte innerhalb der Gemeinschaft jegliche Werbung mit dem Markennamen verboten sein. Lizenznehmer – wie etwa die Firma Salamander mit den Camel-Boots oder der Kosmetikkonzern Lancaster mit dem Herrenparfum Davidoff – hätten für diese Produkte keine Anzeigen mehr schalten dürfen. Und auch Kultur- und Sportsponsoring würden wohl entfallen, denn: "Wenn es uns nicht mehr gestattet ist zu sagen, daß wir dahinter stehen, dann ziehen wir uns zurück. Schießlich haben wir auch noch wirtschaftliche Interessen", gesteht Hermann Feldgen, Sprecher des Tabakkonzerns British American Tobacco (BAT).