Kosenamen für das Regime

Der kollektive Mensch brauche einen revolutionären Namen, sagte sich die chinesische Staatsführung. Also wurden Neugeborene nach der Geburt Rotchinas 1949 "Befreier", "Große Feier" oder "Erbauer der Nation" getauft. Die Bedrohung im Korea-Krieg spiegelten Namen wie "Mutterland", "Patriot" oder "Antiimperialist". Während der Kulturrevolution erblickten "Rebellion" und "Rot" das Licht der kommunistischen Welt. Seit Anfang der achtziger Jahre werden wieder traditionelle Vornamen gewählt – Sonderanlässe ausgenommen: Weil die eigenen Athleten bei einem internationalen Sportfest so erfolgreich waren, heißen jetzt 21 Säuglinge "Asiatische Spiele".

Bedrohtes Brauchtum

Die Kuh mit Glocke – ein helvetisches Nationalsymbol wie das Matterhorn oder die Toblerone. Wenn der Waadtländer Bauer Marc-Henri Genet seit Wochen die Gerichte beschäftigt, geht es also nicht nur um das Recht seiner Rindviecher, ihre Glocken jederzeit erklingen zu lassen, sondern auch um ein Stück Schweizer Identität. Da haben Anwohner, die sich durch den almwirtschaftlichen Lärm in unerträglicher Weise belästigt fühlen, einen schweren Stand. Wie sehr in der Eidgenossenschaft die patriotisch gesinnten Kräfte zusammenhalten, wenn es um ihr Brauchtum geht, erfuhr Landwirt Genet, als sich die Richter zum Lokaltermin auf seine Weide begaben: Flugzeuge und Artilleriekanonen der Schweizer Armee übertönten das Gebimmel um einige Dezibel.

Hitlers von nebenan

Liefert Hitler den Stoff, aus dem Komödien sind? Ja, meinten die Verantwortlichen des Londoner Fernsehsenders British Satellite Broadcasting (BSB) und nahmen eine Klamauk-Serie mit dem Titel "Heil, Honey, I’m Home" ins Programm. Hauptdarsteller sind eine jüdische Familie namens Goldenstein und deren Nachbarn, "die Hitlers von nebenan". Ängste, die Sendung verharmlose die Leiden der Juden unter dem Nazi-Terror, wischt BSB vom Tisch: Witzig sei die Sendung, nicht beleidigend. Dennoch verschoben die Verantwortlichen die Premiere um einen Tag. Die Reihe sollte ausgerechnet am Yom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, starten.

Kant in Königsberg

In Königsberg feiert man zur Zeit das 200jährige Jubiläum von Kants "Kritik der Urteilskraft". Zum ersten Mal sind dazu deutsche Philosophen eingeladen worden, darunter vier Marburger Professoren: R. Brandt, W. Stark, B. Tuschling und Hespe. Zur selben Zeit findet eine Buchausstellung statt, die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels organisiert wird – auch dies gab es noch nie.