Insgesamt zeigt sich für die CSU das erstaunliche Bild, daß bei bester und bei vergleichsweise schlechtester Ausgangslage Verluste eingetreten sind, denen Gewinne im Bereich mittlerer Ausgangslage gegenüberstehen. Es spricht einiges dafür, daß die CSU dort, wo sie sich verbessert oder zumindest gut gehalten hat, auch davon profitierte, daß die Wahlbeteiligung auf 66 Prozent zurückging, wobei vieles auf eine einseitige Wahlenthaltung von Anhängern der SPD und der Grünen hindeutet. Neben der CSU waren FDP und Republikaner Nutznießer des deutlichen Rückgangs der Wahlbeteiligung.

Die Motive für die Wahl einer Partei gehen in Deutschland über aktuelle Anlässe, die sich aus dem augenblicklichen Verlauf der Politik ergeben, weit hinaus. Die CSU kann als bayerische Interessenvertreterin, als Staats- und Ordnungspartei, wie sie sich versteht, auf ein Ansehen bauen, das über ihre Wählerschaft hinausreicht. Zu diesen Grundvoraussetzungen kamen bei dieser Wahl eine außerordentlich hohe Akzeptanz des Nachfolgers von Franz Josef Strauß im Amt des Ministerpräsidenten sowie die Kompetenz, die wirtschaftliche Situation Bayerns positiv zu gestalten. In einer wenige Tage vor der Wahl durchgeführten repräsentativen Meinungsbefragung wünschten sich 75 Prozent der befragten Wähler Max Streibl als Ministerpräsidenten, worunter neben 93 Prozent der Anhänger der CSU auch 82 Prozent der FDP-Anhänger, jeder zweite SPD-Wähler und fast jeder zweite Anhänger der Grünen waren. Karl-Heinz Hiersemann wurde hingegen nur von 15 Prozent aller Befragten als Ministerpräsident vorgezogen, worunter noch nicht einmal 40 Prozent der Anhänger der SPD waren.

Daß die Republikaner beinahe die Fünf-Prozent-Hürde uberwunden hätten und in den Landtag gekommen waren, überraschte viele Beobachter. Schließlich hatten sich die Umfrageergebnisse dieser Partei in den letzten Monaten deutlich abgeschwächt. Auch hier ist ein Zusammenhang zur niedrigen Wahlbeteiligung zu sehen, die das Abschneiden der Reps begünstigte. Regional haben die Reps vor allem in Niederbayern, der Oberpfalz und in Schwaben kräftig gewonnen, am wenigsten in Mittelfranken. Sozialstrukturell und demographisch sind unter den Wählern der Reps Männer deutlich überrepräsentiert, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie bei der Europawahl im letzten Jahr und der vorhergegangenen Landtagswahl. Ähnlich wie vor vier Jahren gibt es unter den Anhängern der Reps etwas mehr Protestanten als Katholiken, vergleichsweise viele Arbeiter und Beamte unter den Wählern.

An der Hürde gescheitert

In den mittleren und größeren Gemeinden sind die Erfolge der Reps etwas höher ausgefallen als in den kleineren Gemeinden und mittleren Städten des Freistaats. Daß die Reps beinahe den Sprung in den Landtag geschafft hätten, ohne daß dies, zumindest auf den ersten Blick, die CSU entscheidend geschwächt hätte, lenkt die Frage auf die politische Herkunft ihrer Wähler. Dabei gilt es zu berücksichtigen, daß die Partei 1986 ja bereits drei Prozent der gültigen Stimmen erzielt hatte. Die Befragung der Wähler am Wahltag weist nun darauf hin, daß die CSU im Vergleich zu 1986 etwas mehr an die Reps abgegeben hat als die SPD. Die Motivlage der Rep-Wähler ist vielschichtig; daß es sich bei diesen Wählern jedoch in erster Linie um Protestwähler handelt und nicht um eine ideologische Fixierung, gilt in der Wahlforschung inzwischen als gesichert.

Die Ergebnisse der sechs Landtagswahlen am 14. Oktober sind sicherlich nicht von entscheidender Bedeutung für den Ausgang der Bundestagswahl. Die gute Ausgangssituation für die derzeit in Bonn regierenden Parteien hatte sich bereits zuvor ergeben. Die Gründe dafür liegen in der politischen Gesamtentwicklung seit Beginn dieses Jahres, die dominiert wurde vom Prozeß der Vereinigung der beiden deutschen Staaten. In einer solchen Situation haben eine Reihe von Problemen, die von den Wählern als sehr wichtig eingeschätzt werden und in denen sie der Regierung nicht die ungeteilte Kompetenz zuschreiben, wie zum Beispiel der Umweltschutz, ihre aktuelle Brisanz verloren. Das gute Abschneiden der CDU und auch der FDP hat aber sicherlich für diese beiden Parteien eine wichtige Brückenfunktion zum 2. Dezember, woraus man ersehen kann, wie wichtig auch die Festlegung von Wahlterminen ist.